„Karl,“ flüsterte Franz, „hörst du das?“

Holm nickte. „Wir müssen nachsehen, mein Junge. Wenigstens konnte keinem von uns der Gedanke an ein solches Unglück im voraus kommen.“

„Ist der arme Mensch erschossen, so berühre ich in meinem Leben kein Gewehr wieder,“ rief Hans. „O warum sind wir nicht mit den Matrosen gegangen!“

„Still,“ seufzte Holm. „Erst muß die Sache untersucht werden.“

Da legte vom Baum herab Rua-Roa die Hand auf des jungen Mannes Schulter. „Babakut!“ sagte er, „der Menschenaffe.“

Wie in plötzlicher Übereinstimmung suchten aller Augen seinen Blick. Wenn das wahr wäre!

Rua-Roa hielt noch immer den Ast des Tamarindenbaumes umklammert. „Kennst du den Menschenaffen nicht, Herr? Leben im Abendlande unter deinem Volke keine Trägen, Faulen, die niemals arbeiten, sondern nur essen wollen? Und verwandelt sie Zannaar bei euch nicht in Babakuts, die ein Antlitz haben wie Menschen und doch Affen sind, die menschlich weinen und klagen, und doch keine Seele besitzen? Der da wimmert, ist ein solcher.“

Franz zögerte nicht länger, er mußte wissen, woher die immer schwächer werdenden, kläglichen Jammerrufe kamen, und trennte daher mit kräftigem Arm die verschlungenen Zweige, um in das Innere des Gewirres von Ranken und Blättern hineinzusehen. Sein Jubelruf lockte die übrigen herbei. Da lag auf dem blutgetränkten Moos ein ganz grauer, mit kurzem Haar bedeckter Affe von etwa einem Meter Höhe und mit so menschenähnlichem Gesicht, wie es die Reisenden noch an keiner anderen Gattung bemerkt hatten. Die brechenden Augen sahen voll stummer Anklage empor, der schweiflose Körper streckte sich und nach wenigen, letzten Zuckungen war alles vorüber.

„Das nenne ich Glück haben!“ jubelte Holm. „Diese Art ist bis jetzt selten oder nie erlegt worden, wir besitzen da einen Schatz, wie ihn kein deutsches Museum nachweisen kann. Schnell, Rua-Roa, komm her und nimm vorsichtig den Affen, da du kein Gewehr zu tragen hast, wir wollen ihn auf dem Schiff in aller Form einbalsamieren oder in Spiritus bringen, je nachdem es sich macht. Jetzt ist Umkehr geboten, um keinen Preis dürfte uns der Babakut verloren gehen.“

Aber Rua-Roa that, als sei er plötzlich taub geworden. Mit dem großen Messer, welches ihm Hans gegeben, zog er gewandt das borstige Fell des Ebers ab, weidete ihn aus und schnitt die besten Bratenstücke herunter, während nur dann und wann ein scheuer Blick den getöteten Affen streifte. Die Furcht vor dem Halbmenschen Zannaars war offenbar zu groß, um ihm das Näherkommen zu gestatten.