Kaum wenige Sekunden später zeigte sich der Erfolg. Das graue, menschenhafte und auch wieder eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Fuchs verratende Gesicht des Gespensteraffen blickte aus dem Loch hervor, der Aye-Aye horchte offenbar neugierig dem immer wiederholten Klopfen, er gähnte wie ein aus dem Schlaf aufgeschreckter Mensch und reckte die langen Arme; dann sahen ihn die Weißen mit trägen, langsamen Sprüngen auf die Äste der Tamarinde klettern. Das kleine Geschöpf hatte die Höhe von kaum einem halben Meter, der Schwanz allein aber war länger als der ganze übrige Körper. Die untere Partie der Haare war von weichem Gelb, die obere rotbraun und nur an den Seiten wie am Bauche grau, Schwanz und Füße dagegen schwarz.

„Schieß nicht,“ flüsterte Franz. „Ich habe von meinem Platz aus das Ziel sicher!“

Er legte an, und als der Knall erfolgte, stürzte das Tier mit lautem Aufschrei, sich mehrmals überschlagend, zu Boden. Es war so glücklich getroffen, daß der Tod im Augenblick eintrat. — Hinter seiner schützenden Tamarinde sprach Rua-Roa in der einheimischen Mundart ein Gebet, aus dessen hastiger Wortfolge der Name Tenn-Tenn wiederholt auftauchte; jedenfalls versicherte er sich in so unmittelbarer Nähe der gefürchteten Schießwaffe vor allen Dingen des Feuerriesen, ohne dessen Gnade es nach seiner Meinung allzu leicht um ihn geschehen sein konnte.

Holms Freude war grenzenlos. Weder im Zoologischen Garten noch im Museum fand sich dieses Tierchen; er würde also der erste sein, welcher es nach Hamburg brachte, vorläufig freilich nur die Haut, aber doch wohlerhalten, denn die kleine Kugel hatte das aufrecht sitzende Äffchen in den Unterleib getroffen, so daß sich die Wunde beim Ausstopfen verbergen ließ, ohne irgend eine Entstellung herbeizuführen.

„Jetzt laßt uns den Rückweg antreten,“ rief er, nachdem dem Maki die Haut abgezogen war, „es kann nicht weit von neun Uhr entfernt sein, wir werden also pünktlich zur Mittagsmahlzeit eintreffen. Nachgerade sehnt man sich, wieder eine warme Suppe und einen Schluck Kaffee zu erhalten. Freund Rua-Roa, du hast deine Sache gut gemacht; jetzt finde auch den Rückweg zum Babakut!“

Der Eingeborne ergriff ohne weiteres die Haut des Eichhornmaki und trug sie sorgfältig wie einen wertvollen Schatz durch das Gebüsch. Ohne diesen, der Umgegend so vollkommen kundigen, mit den Ortsverhältnissen und dem Tierleben des Waldes genau vertrauten Führer hätten die kecken Abenteurer den Rückweg zum Meer kaum wieder aufgefunden, keinesfalls aber die beiden seltenen, so äußerst interessanten Affen erlegen und aufspüren können. Rua-Roa sah im Moos des Weges die Spuren, wo kein Weißer sie entdeckt haben würde; er erkannte unter den dichtstehenden Bäumen an einer einzigen Liane oder Orchideenblüte den einzuschlagenden Pfad; er hatte an Stellen, wo durch die grünen, lebenden Wände von Ranken und Geflecht einer nach dem anderen sich Bahn brechen mußte, doch noch irgend ein Zeichen bemerkt, das ihn später richtig führte. Genau an demselben Punkt, von dem die kleine Schar ausgegangen, betrat sie wieder die Lichtung, in deren Mitte der Eber gefallen war.

Holm griff zunächst in die natürliche, halb überwölbte und von großen Blättern verdeckte Höhle unter den Wurzeln eines Mangobaumes, um sich von dem Vorhandensein des Babakut zu überzeugen, zog aber auch im selben Augenblick die Hand mit einem leichten Schmerzensschrei wieder zurück. „Rua-Roa!“ rief er, „was kann das bedeuten? Als hätten mich zehn Nadeln zugleich gestochen!“

„Lassen Sie sehen, Bester!“ sagte erschreckend der Doktor. „Ich will nur hoffen, daß es kein Schlangenbiß ist.“

„Dann müßten zahlreiche Schlangen zugleich ihre Zähne gebraucht haben. Alle meine Finger bluten.“

Er hob die Hand empor, aus welcher rote Tropfen auf das Moos fielen. „Nein, nein, das sind Stichwunden, — Junge, komm her und sage, was du davon hältst.“