Hans erschrak sehr. „Die anderen sind noch auf dem Riff! — Mein Himmel, es droht ihnen doch keine Gefahr?“
Die Schiffer, der englischen Sprache alle mächtig, eilten zu einem der Fenster und sahen jetzt in ziemlicher Entfernung die beiden knieenden Gestalten, welche, an der Landseite des Riffes beschäftigt, offenbar das Meer durchaus vergessen hatten. Worte, ja selbst der lauteste Schrei aus Menschenbrust konnten hier nichts ausrichten; rasch entschlossen also ergriff einer der Männer das große, an der Wand hängende Nebelhorn und ein langgezogener dumpfer Ton brauste über das Wasser dahin.
Da unten in der Tiefe drehte Franz den Kopf. War das ein Signal? — „Karl,“ rief er, „Karl, die Flut ist da!“
Der junge Gelehrte fuhr auf wie von einem Schusse getroffen. „Die Flut? — Gott im Himmel, wie ist das möglich, ich habe doch —“
Er riß die Uhr heraus und hielt sie erschreckend an das Ohr, er rüttelte wie in Verzweiflung an dem Gehäuse — sie stand still.
Die Wogenkämme schlugen jetzt über den Rand des Dammes herein, weißer Gischt spritzte hoch auf, — binnen Sekunden mußte die ganze Breite unter Wasser stehen.
Mit blassem Gesichte sah er hinaus auf das brandende Meer. „Jetzt sind wir verloren, Franz!“ klang es kaum verständlich von seinen Lippen. —
Und auch oben auf dem Turm wiederholte tödlich erschrocken der jüngere Knabe: „Sie sind verloren!“
„Das ist nicht gewiß, ja sogar nicht einmal wahrscheinlich,“ trösteten die Portugiesen. „Schon mancher Hummerfänger oder Perlenfischer hat sich während der Flut da auf dem Damm gehalten, um die Tiere wegzufangen, ehe nach eingetretener Ebbe eine Menge von anderen weniger kecken Insulanern die Ernte mit ihm teilen konnten. Das Meer schlägt bei ruhigem Wetter höchstens zwei Fuß über den Damm hinweg.“
Hans horchte atemlos. „Und wenn es stürmt?“ preßte er mühsam hervor.