Nachdem die Schnecken in der angegebenen Weise präpariert, eingewickelt und fest in eine Kiste gepackt und auf einem Zettel die Fundorte bemerkt worden waren, versah Holm das Kollo mit der Adresse, und bei nächster Gelegenheit konnten diese Schätze abgesandt werden.

„Ein wahres Glück, daß diese Arbeit vorüber ist,“ meinte der Doktor, „meine Geruchsnerven haben kein besonderes Gaudium daran gehabt.“

„Unsere Nasen haben sich bald daran gewöhnt,“ rief Franz. „Einem Naturforscher darf es auf solche Kleinigkeiten nicht ankommen.“

Nun galt es, die Seesterne und Seeigel zu konservieren. Aus dem Raum wurden große Glashafen mit eingeschliffenem, breitem Stöpsel gebracht, in denen sich Baumwolle in Gestalt von Watte befand. Diese wurde herausgenommen, dann schichtete Holm abwechselnd Watte und Seeigel in dem Glashafen auf, damit die Geschöpfe mit ihren zerbrechlichen Stacheln, die oft den Durchmesser des Rumpfes um das vierfache übertrafen, unbeschädigt blieben. Als dies geschehen, füllte er den Hafen mit starkem Spiritus, setzte den Stöpsel ein und verband denselben mit angefeuchteter Blase, um das Verdampfen des Spiritus zu verhüten. In derselben Weise wurde mit den Seesternen und den vielen Krabben- und Krebsarten verfahren.

„Aha,“ sagte Hans, „nun begreife ich auch, warum der Affe teilweise Rum erhielt, denn ohne diese Vorsichtsmaßregel hätten wir nicht genügend Spiritus gehabt, und diese prachtvollen Naturalien wären uns verdorben.“

„Man kann eben nicht haushälterisch genug mit solchen Dingen sein, die in der Wildnis gar nicht zu erlangen sind,“ entgegnete Holm. „Unsere Reise würde nur zur Hälfte ihren Zweck erfüllen, wenn wir nicht im stande wären, die gesammelten Seltenheiten zu konservieren.“

Holm zeigte den Knaben die merkwürdigen Greiffüße der Seeigel unter dem Mikroskop. Diese Füßchen gleichen kleinen, inwendig gezähnten Dreizacken und sitzen auf der kugelförmigen Oberfläche der Seeigel in großer Anzahl. Faßt nun ein solcher Greiffuß ein winzig kleines lebendes Wesen, so gibt er es seinem Kollegen, der es wieder weiter gibt, wie ein Eimer in der Kette der Löschmannschaften von Hand zu Hand geht, bis es von Fuß zu Fuß nach dem an der Unterseite des Tieres liegenden Mund gelangt, in den es als gute Beute spaziert. Man kennt von den Seeigeln über 200 lebende Arten und gegen 1500 Arten versteinerter aus früheren Perioden unserer Erde. Oft werden dieselben im Sande, namentlich aber in der Kreide gefunden.

Aus der großen Riesenmuschel, der Tridacee, wurde der weiche Körper ausgelöst, wie eine Auster aus ihrer Schale. Da sie fest und unzerbrechlich war, wurde sie im Raum der „Hammonia“ festgestaut, wie jedes andere Kollo; ihretwegen brauchte sich niemand Sorge zu machen.

Siebentes Kapitel.

Die Reise nach Ceylon wurde schnell und glücklich beendet; man fuhr am Hafen von Galle und an dem von Kolombo vorüber bis zur äußersten Nordspitze, die freilich nur eine Landung im Boot gestattete. Dafür versprach aber auch der gänzliche Mangel an Kultur und an irgend einem gebahnten Wege die beste Jagdbeute. Vor der Hand mußte man sich ohne Führer behelfen; die Küste war flach und stark mit Sandsteinstrecken versetzt, dazwischen aber lagen schöne, fruchtbare Thäler und ragende Wälder, in denen Palmen von unglaublicher Höhe und zu vielen Tausenden alles andere gleichsam als nebensächlich erscheinen ließen. Stämme von dreißig bis vierzig Meter waren die unbedeutendsten und bildeten das, was in einem deutschen Walde Unterholz heißt, hier noch mit einer Fülle von Sträuchern und Ranken jeder Ausdehnung um den Platz streitend.