„Gib acht,“ rief Holm, „du sollst unter der Steinhülle gleich das Tier kennen lernen, Freund Rua-Roa, — denn für den Rudolf bist du doch noch nicht ganz reif! — Faß an und hilf uns den Koloß auf den Rücken legen.“
Alle fünf bemühten sich nun mit vereinten Kräften, das Tier umzuwenden; es gelang aber erst unter Beistand eines zufällig des Weges kommenden Sklaven, dem für diesen Dienst die Schale des Tieres zugesprochen wurde, dann rief ein verabredetes Signal die beiden Matrosen herbei, und aus dem saftigen Fleisch der Beute wurde Suppenstück und Braten herausgeschnitten. Das war für zwei Tage ein Herrenessen; nach dieser Zeit fand sich schon etwas anderes, denn die steinharten Maniokkugeln und die laue Kokosmilch der Eingebornen im Verein mit den ohne Fett oder Salz abgekochten Gemüsen bildeten doch für europäische Magen ein klägliches Ernährungsmittel. Franz meinte sogar, daß er jedenfalls noch heute einen der zahllosen umherstreifenden Hasen schießen werde: „Wildbraten und Schildkrötenragout passen gerade zu einander.“
Holm tastete mit beiden Händen im Sande. „Bin ich so heiß,“ sagte er, „oder ist es der Boden? Mir deucht, die Sonne kann unmöglich den Sand so erwärmen.“
Die anderen untersuchten gleich ihm das Terrain, dann sprang Rua-Roa, der gern die Aufmerksamkeit von der Schildkröte ablenken wollte, etwas weiter über den Weg hinaus und befühlte dort den Boden. Er war merklich kühler.
Holm stutzte. „Laßt uns in entgegengesetzter Richtung vordringen,“ forderte er die anderen auf, „da muß ich klar sehen.“
Das Gebüsch wurde umgangen, ein paar dichte Bäume auch noch, und nun zeigte sich der Grund des eben entdeckten Wunders. Wenige Schritte weiter senkte sich der Boden zu Thal, eine Schlucht von Geröll und Kieseln fiel ziemlich unvermittelt abwärts, kein lebendes Pflänzchen trieb oder gedieh am Rande, und inmitten der Steinwüste sprudelte ein heißer Quell, dessen Wasser sechs bis zehn Meter hoch in die Luft hinaufgeschleudert wurde und eine wirbelnde Dampfwolke hinaufsandte in das heitere Sonnengold.
„Aha,“ rief Holm, „eine Botschaft vom ewigen Feuer aus dem Mittelpunkt der Erde! Das werden wir benutzen, um unser Leinen gründlich zu reinigen.“
Die Knaben drangen weiter vor, so weit, bis die Füße anfingen, selbst durch das Sohlenleder hindurch die Hitze des Bodens nicht mehr ertragen zu können. Das war aber auch ganz nahe am Quell, dessen stäubende Tropfen Brandwunden verursachten; Franz umwickelte die Hand mit dem Taschentuch und trat nahe genug heran, um abgewandten Gesichtes eine geringe Menge des Wassers einzufangen. Als es in der Blechflasche abgekühlt war, probierten es alle, aber jeder schnitt eine Grimasse. „Petroleumartig mit Zwiebelduft,“ entschied Holm.
„Wie Heringslake, durch ein altes Gasrohr filtriert!“
„Brr! in acht Tagen werde ich meine Flasche nicht wieder brauchen können.“