Hans war davongesprungen und hatte eines der Eier geholt, welche die Schildkröte, ehe der unvermutete Angriff kam, in das Sandloch gelegt. Jetzt wurde es in eine mit dem Beil gemachte Vertiefung nahe dem Quell versenkt und in drei Minuten gar wieder herausgezogen.
Holm nahm noch etwas von dem greulich schmeckenden Wasser mit, um es chemisch zu untersuchen. Die Knaben füllten ihre Taschen mit bunten, zum Teil sehr seltenen Kieseln, und dann hatte der Ausflug für diesmal ein Ende. Der knurrende Magen mahnte allzu laut an das Frühstück.
Die Matrosen waren inzwischen ihrer Stellung als Hausmeister und Oberkoch glänzend gerecht geworden. Sie hatten das Unmögliche möglich gemacht und das Erstaunen der ganzen weiblichen Bevölkerung des Dorfes erregt. Verschiedene Blech- und Eisenpfannen wurden mittels bedeutsamer Winke und gelegentlicher kleiner Scherze von den Sklavenfrauen zusammengeliehen, und nun machte sich Hannes, der Hamburger von echtem Schrot und Korn, mit aufgestreiften Ärmeln an die Arbeit. „So viele Bohnen und doch keine Tasse Kaffee?“ räsonnierte er, „das wollen wir erst einmal sehen!“
Sprach’s und schüttete in die über dem Feuer hängende Pfanne die rohen, getrockneten Bohnen, welche er dann mit dem Messer beständig umrührte, bis sie anfingen zu duften, zu springen und sich lieblich zu bräunen. Der zweite hatte indessen eine Ziege gemolken, sich mit abgezogener Mütze und einem Kratzfuß sondergleichen von der Gemahlin Tippoos in einer Bambusschale etwas Palmensirup verabreichen lassen und durch Pantomimen das Bedürfnis nach Trinkgefäßen so lebhaft ausgedrückt, daß er sechs Bambusbecher geliefert bekam. Jetzt stampften beide mit vereinten Kräften die gebrannten Bohnen zwischen zwei Steinen zu Pulver, während in der Pfanne das Wasser kochte, und darauf kam der große Augenblick, wo Hannes gelassen die Leinenmütze vom Kopf nahm und beides, Pulver und heiße Flut, hineinstürzte, so daß der Kaffee, aus mehr als einem Grunde schwarz wie die Mitternacht, in das bereit stehende Gefäß hinabträufelte. Mit Feldherrnblick übersah Jan Maat sein gelungenes Werk. Die untere Pfanne wurde auf leises Feuer gestellt, das Gemisch in der Mütze fleißig umgerührt und nun zum zweiten größeren Unternehmen geschritten. Hannes wollte die Maniokkugel in ihr verdientes Nichts zurückdrängen, seine Seele arbeitete an einem Pfannekuchen, der ihn bei den Frauen von Singhala in bleibendem Andenken erhalten mußte. Zwei saubere Steine waren bald gefunden, trockne Maiskörner verwandelten sich in Mehl, der Hühnerstall lieferte Eier, Milch kam hinzu und ein wenig Salz; dann wurde zerlassenes Schildkrötenfett in eine andere Pfanne gegossen und mit dem großen eisernen Kochlöffel der Frau vom Hause der duftende Teig hineingefüllt. Jetzt zog Hannes das große Messer, schäkerte erst ein wenig mit den neugierig dreinschauenden Frauen, denen er unter schauderhaften Grimassen die Spitze auf die Brust setzte, und warf dann kunstgerecht den halbgaren Pfannekuchen um.
„Markst Müüs?“ fragte er selbstzufrieden, als sich das Erstaunen in den Blicken seiner Bewunderinnen spiegelte. „Man muß euch doch zeigen, daß hinter dem Berge auch noch Leute wohnen, die zu leben wissen, wobei ein guter Pfannekuchen und eine Tasse Kaffee zu den Hauptsachen gehören. Vernünftige Speisen zeigen, daß der Mensch gebildet ist!“
Nach diesem Ausspruch holte er sich den Stein, welchen er eben vorher als Mühle benutzt, wischte ihn mit dem Ärmel bestens ab und servierte den fertigen Kuchen, dessen Rund er in kleine Bissen zerschnitt, diese in Sirup tauchte und mit den Fingern ohne alle Ziererei der nächsten Singhalesin in den Mund schob. „Das bekommt anders wie eure Kanonenkugeln aus Maniok und Wasser, nicht wahr?“ fragte er. „Ja, das mögt ihr, ich sehe es schon! — bitte, bitte, nicht prügeln, schickt sich das für Damen?“
Seine kräftigen Arme trennten zwei Sklavenfrauen, die einander vielleicht schon längst nicht recht grün waren, die nun aber über der erhaltenen Leckerei in hellen Zorn ausbrachen; er stopfte der einen den Rest des Kuchens in den Mund und der andern als Ersatz für den erwarteten Leckerbissen den Messerstiel; dann aber buk er im Schweiße seines Angesichts weiter, wobei ihm die neugierigen Frauen von allen Seiten Milch, Eier und Sirup zutrugen, ja sogar die Maiskörner für ihn stampften, aber als Lohn auch für sich und ihre zahlreichen Sprößlinge die fertigen Kuchen begehrten. Er dankte Gott, als endlich die Weißen von ihrem Spaziergange zurückkehrten, und nun die Frauen flüchteten; seine Berühmtheit war ihm schnell sehr lästig geworden, — so unter den sengenden Strahlen der Sonne von Ceylon ohne Mütze vor dem Feuer zu stehen und für hundert hungrige Mäuler zu backen, das hatte sein Schweres, auch wenn es Ehrenbezeugungen in der Gestalt von Jauchzen, Schnalzen und entzückten Schlägen in die eigenen braunen Hände der beschenkten Schönen reichlich eintrug.
Jetzt endlich durfte er selbst essen, — das war angenehmer als andere zu füttern.
Seine Zurüstungen fanden gebührende Anerkennung; es wurde im Freien getafelt, den dienstbaren Singhalesinnen die Reinigung der Geschirre überlassen und dann unter Führung von mehreren Eingebornen ein benachbartes großes Diamantenfeld besucht. Inmitten der lachenden, von reichhaltigstem Pflanzenwuchs überzogenen Umgebung dehnte sich eine öde, graue Sandfläche, auf der auch nicht die magersten Halme mehr gediehen, wo kein Vogel sang und kein Hase die Ohren spitzte. Das Ganze war Berg und Thal, tiefe vom Regen ausgewaschene Rinnen, Anhöhen und Schluchten in regelloser Abwechselung. Zu Hunderten knieten hier die Sklaven und Sklavinnen verschiedener Stämme, alle mit einer einzigen geisttötenden und in dem heißen Klima unendlich anstrengenden Arbeit beschäftigt, nämlich den losen Sand mit den Fingern zu durchwühlen und die kleinen blitzenden Edelsteine aus demselben hervorzusuchen. Ganze Tage vergehen ohne die mindeste Ausbeute, der einzelne Sklave wühlt vielleicht wochen- und monatelang umsonst in den glühenden Sandwolken, aber doch ist die Diamantenlese der Betriebszweig einer bestimmten Kaste, und — von den Gesetzen derselben gibt es keine Erlösung.
An der Küste des Indischen Ozeans wird vielfach von dort wohnenden Stämmen die Perlenfischerei betrieben, andere fangen Austern, jeder aber bleibt innerhalb seiner Grenzen und vererbt die gleichen Anschauungen wieder auf seine Kinder; ein Hinübertreten aus einer Kaste in die andere gehört hier zu den Unmöglichkeiten. — Die armen Diamantengräber sind aber jedenfalls am schlimmsten daran. Wasser und Wald, ja selbst das Getreidefeld bieten noch Abwechselung und erfrischende Kühle; der heiße Staub aber erstickt die Lungen, so daß seine schädlichen Einflüsse auf den abgemagerten Gesichtern und in den entzündeten Augen der Arbeiter deutlich erkennbar sind.