Diese armen, mehr als halb Wilden, unfrei bis zum Grabe, von Pflanzenkost lebend, dem Biß der giftigsten Reptilien zu jeder Stunde ausgesetzt, ohne die mindeste Hoffnung, aus ihrer jammervollen Lage je erlöst zu werden, — diese Elendesten unter den Elenden fördern aus dem Sande, den ihre Finger auf schattenloser Fläche durchwühlen, die kostbarsten und wertvollsten Edelsteine zu Tage. Rubine, Amethyste, Topase, Saphire, Granate, Turmaline, Kannelsteine, Katzenaugen, Chalcedon, Hyazinthe und Berylle, alles liegt hier lose und ohne Umhüllung von Erz oder Gestein unter der Oberfläche des lockeren Staubes, bisweilen viele Meter tief, bisweilen der emsig suchenden Hand auf den ersten Griff entgegenfallend. Die Diamantenfelder von Ceylon bringen einen jährlichen Durchschnittsertrag von 200000 Mark; sie ruinieren aber auch vieler Menschen Gesundheit und erwecken unter den Sklaven zuweilen die allerschlimmsten Leidenschaften.

Holm kaufte einige besonders schöne Stücke; dann, nachdem noch rings umher Trinkgelder gegeben worden, verließen alle das heiße Sandfeld und wandten sich dem Walde wieder zu. Hier lebte es, kroch und flog, brummte und flötete, hier dufteten Blumen und rauschte in hohen Laubkronen der Wind; das erste, was unsre Freunde sahen und was den Malagaschen mit maßlosem Staunen erfüllte, waren Termitenbauten, Kegel an Kegel, und von den bekannten großen Tieren bewohnt; dann kam, den Weg versperrend, ein breiter stehender Sumpf, aus dem wie halbvermorschte Baumstämme die Körper der Krokodile hervorsahen. Überall tauchten und schwammen sie, überall öffneten sich ihre scheußlichen Rachen; vor den Augen der Reisenden wurde eine Hirschkuh, die sich in plötzlichem Schrecken zu weit an den Rand des Sumpfes heran gewagt hatte, von einem dieser Ungeheuer ergriffen und in die trübe Flut hinabgezogen.

Ein paar Kugeln fuhren dem Räuber nach in das Wasser; ob sie aber ihr Ziel getroffen hatten, ließ sich natürlich nicht ermitteln. Der Malagasche atmete auf, als nach langer Wanderung das Bett des Sumpfes umschritten und der offene Wald wieder erreicht war. Er und Franz schossen noch drei Hasen, die dann am folgenden Tage, in Schildkrötenfett gebraten, auf den Tisch kamen und vortrefflich schmeckten.

Achtes Kapitel.

Nachdem die Umgegend überall durchforscht, wurde der große Zug zu den Veddas angetreten. Tippoo und etwa dreißig seiner Sklaven begleiteten die Weißen, Waffen und Vorräte wurden in Menge mitgenommen, ebenso von unsern Freunden diejenigen kleinen Geschenke, welche sich nur bei ganz Wilden anwenden lassen und daher den selbst webenden und Putzgegenstände fertigenden Singhalesen nicht geboten werden konnten.

Schon einige Tagereisen hinter dem auf Bäumen belegenen Dorfe der Vellalahs hörte jede Spur von Zivilisation vollständig auf. Kein Getreidefeld, kein gebahnter Weg, keine Hütte zeigte sich mehr dem Blick, das Terrain wurde bergiger und immer bergiger; die Hasen, Hirsche und Ziegen machten den Büffelherden, den Elefanten, Stachelschweinen und Genettkatzen Platz, große Geier hausten auf den Höhen, Adler wiegten sich in der Luft und Tigerspuren im Sand verrieten, daß der Würger ganz in nächster Nähe lauerte.

Jetzt befanden sich, nach des Häuptlings Angabe, die Reisenden im Innern der Insel; das ganze Gebiet war dichter Wald, meistens aus undurchdringlichem Gebüsch und darüber den hohen, wehenden Palmen bestehend; zuweilen mußte ein Umweg gemacht werden, um den Durchgang zu erzwingen, zuweilen versperrten gefallene Bäume die Passage, und wenn der eine oder der andere versuchte, auf den grünüberzogenen Stamm zu treten, um so an die andere Seite zu gelangen, dann brach plötzlich die grüne Decke, eine Wolke von Schutt und Moder drang hervor, Spinnen oder Käfer flohen nach allen Seiten, braune Eidechsen von mindestens einem halben Meter Länge mit glänzenden, perlengleichen Augen schlüpften durch das Gras, und zusammengerollte Schlangen verließen in eiliger Flucht ihr Lager; — noch aber sah man kein Dorf und kein menschliches Wesen.

Als sich endlich die Wohnstätten der Veddas dem Blick offenbarten, da schien es den Reisenden, als sei plötzlich Westafrika nach Ceylon versetzt. Elende, schwankende, schiefe und dem Einsturz nahe Zelthütten aus Pflöcken und schmutzigen Fellen; ganz nackte schwarze Menschen; Tümpel, in denen sich Enten, Hühner und Kinder wälzten; derselbe Schmutz, dieselbe Vertiertheit wie in Dahomey, — nur nicht dieselbe Harmlosigkeit und Bekanntschaft mit der Existenz weißer Menschen. Frauen und Kinder flüchteten schreiend, die Männer griffen zu ihren aus Holz geschnitzten Wurfspießen und nahmen hinter den nächsten Stämmen in offenbar feindlicher Absicht Stellung. Es war unmöglich, sie durch gütliches Zureden zum Näherkommen zu bewegen; sie gaben keine Antwort und ließen auch die auf den freien Platz vor der nächsten Hütte niedergelegten Geschenke an Waffen unbeachtet, bis endlich die Vermittlung der Frauen durch bunte Tücher und Perlen erfolgreich gewonnen wurde. Die schwarzen, fettglänzenden Gestalten mit ihren überaus häßlichen Gesichtern und kleinen Schlitzaugen kamen erst zögernd, dann aber immer dreister aus den Hütten hervorgekrochen und tanzten und sprangen wie Wahnsinnige, sobald es ihnen gelungen war, irgend einen jener verlockenden Gegenstände zu erhaschen; sie streckten die Hände aus, um mehr zu empfangen, aber ganz wie Tiere, die das Maul öffnen, sobald man sie füttert, durchaus nicht wie Menschen, die für ein erhaltenes Geschenk danken und diesen Dank auch bethätigen möchten. Wer die Fremden waren, wie die ganze Sache zuging, und selbst in welcher Weise man die bunten Schmuckgegenstände verwenden sollte, schien diesen verkommenen Geschöpfen gar nicht einzufallen; sie hielten Tücher oder Bänder in den Händen, das war ihnen genug.

Die Singhalesen wandten sich voll Abscheu von diesem Treiben hinweg. Ihnen fehlte naturgemäß das hohe, wissenschaftliche Interesse, welches die Weißen leitete; sie sahen wie auf unsaubere Tiere auf die Neger herab, und nichts hätte sie bewegen können, kriechend eine dieser im Schmutz begrabenen Hütten zu betreten. Wieder wurden die Zeltleinen wie Hängematten befestigt, die Singhalesen schlugen ihre Wohnungen unter den Bäumen auf, und ein hohes Wachtfeuer loderte zum Himmel empor. Brotfrüchte, Fleisch, Palmenwein und gekochte Eier sowie Kaffee bildeten das Nachtmahl, bei dem beide wilde Stämme, die Braunen und die Schwarzen, von fernher zusahen. Erstere hielten sich an ihre Maniokkugeln und aus Mais gebackenen, nicht minder unverdaulichen Kuchen, letztere hätten vielleicht bei ihrer unbeschreiblichen Armut alles Gebotene gierig verschlungen, wagten sich aber nicht nahe heran, sondern blieben in gemessener Entfernung unter den Bäumen stehen und bewunderten das seltsame Schauspiel.

Die Männer bildeten Gruppen, in deren Mitte sehr lebhaft gesprochen wurde; niemand von allen näherte sich indessen dem Lager der Weißen, niemand schien der englischen oder singhalesischen Sprache mächtig.