Neuntes Kapitel.

„Kapitän,“ meinte Holm eines Morgens, während der Dampfer den Sundainseln zusteuerte, „Kapitän, ich hätte Ihnen einen Vorschlag zu machen.“

„So lassen Sie hören, mein Bester.“

„Ich möchte, ehe wir später nach Australien gehen, noch — bis zur südlichen Barriere vordringen.“

„Daß dich!“ rief voll Erstaunen der Alte. „Weiter nichts?“

„Nein Kapitän, weiter nichts. Das Geheimnis des Südpols mag immerhin noch unentdeckt bleiben, aber bis an das Packeis wollte ich doch gern kommen. Wir brauchen auch die Tiefseegeschöpfe der kalten Regionen, wir möchten Walfische und Robben, Eisberge und die Brandung der unzugänglichen Macdonaldinseln kennen lernen. Ein paar Monate werden es ja thun.“

„Gewiß,“ nickte der Kapitän. „Kleine tausend Meilen, was will das sagen?“

Alles lachte. Daß sich aber der gutmütige Führer dieser Expedition nicht sträuben würde, die allen Seeleuten so außerordentlich unliebsame Tour nach dem Südpolarkreise wirklich zu unternehmen, wußten sie trotzdem. Die Knaben entwarfen bereits lange Listen solcher Gegenstände, welche für die Tage des Frostes und Schneefalles unerläßlich waren, nämlich große Mäntel aus Schaffellen, Pelzstiefel und Pelzmützen, Fußdecken und ein Käfig für die beiden Affen, denen das Spiel im Tauwerk doch leicht zu ungemütlich werden könnte. Das alles sollte in der nächsten Hafenstadt gekauft werden, ebenso Harpunen und solche Vorräte, die durch außerordentlich hohe Kältegrade nicht leiden. „Es muß köstlich sein, einmal wieder nach Herzenslust zu frieren,“ meinte Franz. „Wenn ich Schnee fallen sehe, dann — könnte es mich überrumpeln wie Heimweh.“

„Nicht wahr, zu Hause ist’s doch am besten?“

„Möchtest du denn immer auf Reisen bleiben, immer fremd am fremden Orte, ohne eine Heimstätte, die dir gehört, Karl?“