Als etwa eine Viertelstunde erbitterten Kampfes verflossen war, als Blut von allen Seiten über das Gestein herabtroff, wichen die letzten noch überlebenden Hunde, von Schüssen und Kolbenschlägen verfolgt, verwundet und heulend, kaum ein Viertel jener stattlichen Anzahl, die den Berg mit eiligen Sprüngen erstürmt hatte; jetzt erst konnten die Weißen im Schutze der überhängenden Wände ihre Kerzen entzünden und den erlittenen Schaden feststellen. Eine wahre Wüstenei breitete sich vor ihnen aus. Tierleichen, Stücke zerfetzter Körper, geronnenes und fließendes Blut, Büschel Haare, alles stapelte über- und neben einander, alles zusammen bot einen trostlosen und grauenhaften Anblick, dessen Beseitigung jetzt die erste Sorge sein mußte.
Nachdem die Wunden einen notdürftigen Verband erhalten, ging man ans Werk. Gewehre und Decken, kurz alles Gepäck wurde in eine der inneren Höhlen geschafft, und dann befahl Holm, aus einzelnen Felsblöcken vor dem Eingang derselben eine Art Barrikade mit Schießscharten herzustellen. „Der entsetzliche Blutgeruch bringt uns ohne allen Zweifel auch von den Tigern und Wildkatzen noch einen Besuch,“ seufzte er. „Also rasch! wir müssen den Zugang verrammeln, ehe der Feind eindringt.“
„Sollen wir denn bis zum hellen Tage da drinnen gefangen sitzen, Karl?“
„Hättest du nicht so voreilig geschossen, dann wäre es überflüssig, mein Bester!“ war die etwas scharfe Entgegnung.
Franz wechselte die Farbe. Er hatte längst seinen Irrtum erkannt und beeilte sich daher jetzt so viel als möglich wieder gut zu machen. Den Schmerz in der Schulter verbeißend, half er eifrig die zerstreut umherliegenden Blöcke auf einander zu schichten, und so eine breite Mauer herzustellen, die, nach außen hin etwas geneigt, jeden, der etwa an ihrem Bau rütteln würde, sogleich unter schweren, stürzenden Massen zerschmettern mußte. Nur ein kleines Schlupfloch ließen die emsig Schaffenden offen, einen schmalen Gang, durch den sich einer nach dem anderen hineindrängen konnte, und dann begannen sie die Tierleichen in den Abgrund zu stürzen. Der Besen fegte Ströme von Blut in das Wasser hinab, während Kochkessel und Bratpfanne unaufhaltsam frische, reinigende Fluten schöpften und nachspülten. Es galt ja den gefährlichen, verderbenbringenden Blutgeruch schnellstens zu entfernen.
„Schlafen können wir in dieser Nacht nicht mehr,“ erklärte Holm. „Kommt mir nach, wenn draußen das Hauptsächlichste geschehen ist, und dann müssen zwei von uns den Eingang, die übrigen die Schießscharten mit geladenem Gewehr bewachen.“
„Für so unvermeidlich hältst du den Angriff, Karl?“
„Ich fürchte, ja. Der Wind trägt die Ausdünstungen des geronnenen Blutes hinab in das Thal, wo ohne Zweifel eine Menge Raubkatzen leben. Auch die Hunde waren ja schon dadurch heraufgelockt, wie ich überzeugt bin.“
Man widersprach ihm nicht; vielleicht trieb auch der Gedanke an einen Kampf mit Königstigern zur größtmöglichen Beschleunigung des angefangenen Werkes; diese Zähne richteten doch ganz andere Verwüstungen an, als die der wilden Hunde.
Nach wenigen Minuten fanden sich alle in dem engen Raume versammelt. Jetzt stand der Vollmond über dem Gebirge, alles in bläulichem und silbernem Glanze badend, jede Schlucht erhellend: die Nacht war still, als sei die ganze Schöpfung nur ein einziger, großer Tempel; fliegende Frösche glitten durch die Luft, und fernher zwischen den Bäumen glitzerte im Thale wie ein Irrlicht das Moro Api.