Das Schleppnetz hatte reiche Beute nach oben gebracht. Holm entdeckte beim Sortieren eine kleine Krebsart, die, kaum einen halben Zentimeter lang, sich durch besondere Zierlichkeit auszeichnete; es war dies der Leuchtkrebs, der zu den vielen Meergeschöpfen gehört, die durch ihren phosphorischen Glanz das Meeresleuchten hervorbringen. Außerdem war ein großer Molukkenkrebs ins Netz gegangen, der, einen halben Meter lang, einer Kasserolle mit langem Stiel glich. Die Wilden bedienen sich der harten, scharfen Schwanzstacheln als Lanzenspitzen. Da diese Krebsart in den Aquarien nicht selten ist, beschloß Holm dies Exemplar nicht mitzunehmen. Es wurde daher der Tiefe wieder übergeben. Von Schnecken fand sich die seltene Birnenschnecke vor, über deren inneren Bau noch mancherlei verschiedene Ansichten herrschen und die daher sogleich in Spiritus wanderte, um für das Seziermesser aufbewahrt zu werden. Die Eischnecke war ebenfalls unter der Beute. Holm erklärte, daß dieselbe früher bei den Einwohnern von Korea in hohen Ehren gestanden habe, denn nur die Vorfechter im Kampfe und diejenigen Krieger, welche einige Köpfe von erschlagenen Feinden aufweisen konnten, durften das Gehäuse um den Hals oder im Haarschopf tragen.
„Also eine Art von Orden für Tapferkeit,“ meinte Hans. Holm lächelte und sagte: „Nicht ganz übel gedeutet.“ Dann machte er die Knaben auf eine eigentümlich geformte Nacktschnecke aufmerksam, die er als „Seehase“ bezeichnete. Von den vier Fühlhörnern streckten sich zwei in horizontaler Richtung vor, um den Weg und die Nahrung zu betasten, zwei derselben glichen dagegen in ihrer aufrechten Stellung einem Paar großer, löffelförmiger Hasenohren, denen das Tier auch seinen Namen verdankt.
Holm setzte den eingefangenen Seehasen in eine Bütte mit frischem Seewasser, in dem er sich alsbald wohl sein ließ. Hierauf sagte er zu Franz, nachdem sie das Tier genugsam betrachtet hatten: „Fasse den Seehasen einmal an.“
„Bei den Löffeln wie ein Kaninchen?“ fragte Franz.
„Ganz wie dir beliebt,“ antwortete Holm, „nur gib genau Obacht auf die Veränderungen, die mit diesem seltsamen Geschöpfe vor sich gehen.“
Franz griff in das Wasser, um den Seehasen zu erfassen.
Kaum aber hatte er das Tier berührt, als dasselbe eine dunkelviolette Flüssigkeit absonderte, die es wie mit einer undurchsichtigen Wolke umhüllte und den Blicken aller entzog.
„Es versteckt sich,“ rief Franz.
„Dieser violette Farbstoff dient dem Seehasen als Schutzmittel gegen seine Verfolger, in derselben Weise, wie sich auch der Tintenfisch durch Ausspritzen einer braunen Flüssigkeit zu schützen sucht, die im getrockneten Zustande von den Malern als Sepia zum Tuschen gebraucht wird.“
„Läßt sich der Farbstoff der Seehasen nicht auch zu ähnlichen Zwecken verwenden?“ fragte Hans.