Sie begaben sich jetzt alle in ein Gemach ihrer provisorisch gemieteten Wohnung, dessen Fenster mit Kokosmatten lichtdicht verhängt waren. Ein Lämpchen brannte auf dem Tische und beleuchtete mit mattem Scheine eine Anzahl von Flaschen, einen schmalen hohen Glastrog, den Holm als „Küwette“ bezeichnete, und ein mit reinem Wasser gefülltes Gefäß.

„In dieser Küwette befindet sich eine Auflösung von salpetersaurem Silber,“ erklärte Holm. „Wir tauchen unsere mit Jodkollodium überzogene Glasplatte vermittelst eines breiten Glashakens in diese Lösung hinein, und nun beobachtet, was geschieht.“

„Die Oberfläche der Platte fängt an sich zu trüben,“ rief Franz.

„Sie wird milchweiß,“ bemerkte Hans nach einer kleinen Weile.

„Ein Zauber,“ rief Rua-Roa ängstlich.

„Kein Zauber, sondern ein chemischer Vorgang,“ lachte Holm, „obgleich du von deinem Standpunkte nicht so ganz unrecht haben magst, Ruachen; wurde doch selbst im zivilisierten deutschen Lande zur Zeit des Mittelalters mancher Chemiker für einen Hexenmeister gehalten. Und wenn ich dir nun auch auseinandersetzte, daß hier die Jod- und Bromsalze, welche in der Kollodiumhaut sind, sich mit dem Silber der Lösung zu unlöslichem, gelblichweißem Jod- und Bromsilber verbinden, so würdest du das doch nicht verstehen, mein guter Malagasche, denn von der chemischen Wahlverwandtschaft weiß dein kleiner Heidenverstand nicht die Spur.“

Rua-Roa machte ein verlegenes Gesicht, als hätte er irgendwie, unbewußt ein Unrecht begangen, aber Franz tröstete ihn und sagte: „Sei nur ruhig, lieber Freund, Chemie ist meine stärkste Seite auch gerade nicht.“

Die Platte wurde an dem Haken, auf dem sie ruhte, aus der Küwette herausgezogen. Die Kollodiumhaut hatte in der That ein gelblichweißes Aussehen erlangt und war nun, wie Holm sagte, lichtempfindlich.

Ein kleines hölzernes Kästchen — die Kassette — nahm die präparierte Platte auf. Dasselbe war mit einem Schieber versehen, der sich seitlich wegziehen ließ, und besaß hinten einen Deckel, der es lichtdicht verschloß, nachdem die Platte, mit der Kollodiumschicht nach vorne, hineingelegt worden war. Gegen jeglichen Lichtstrahl geschützt, konnte die Platte in der Kassette nach dem photographischen Apparate transportiert werden, dessen optische Gläser mit Deckeln verschlossen waren.

Holm entfernte die matte Glasscheibe, setzte die Kassette an ihre Stelle und zog den Schieber der letzteren heraus. Darauf entfernte er die Deckel von den Gläsern.