Hier fanden sich die seltsamen Bäume auf Luftwurzeln, der Teppanbaum, dessen erste Äste in der Höhe von etwa 3—4 Metern sich seitwärts senkten, und in dessen Stamm unzählige wilde Bienenschwärme ihre Nester bauten; die sonderbare Kannenpflanze mit ihren wie eine Waschkanne geformten purpurnen Blüten; Gummibäume, der Taban, welcher die vortrefflichste Guttapercha liefert, der Sagobaum und die Rotangpalme, deren Stengel man gemeinhin Spanisches Rohr nennt.

Ein Baum war es besonders, der den jungen Leuten als ganz fremd sogleich in die Augen fiel. Von schlankem, auffallend hohem Stamm, mit verhältnismäßig wenigen schwertförmigen Blättern, trug er hellrote, große Blumen und mit einer hölzernen Schale umgebene Früchte von der Größe eines Kopfes. Der Höhe wegen ließ sich Deutlicheres nicht erkennen, nur soviel stand fest, daß man diesem Baume noch nie vorher begegnet war.

„Das sind Durianen,“ erklärte Bassar, der älteste der Führer. „Die Zibetkatzen essen ihre Früchte.“

„Und die Eingebornen nicht?“

Eine unverkennbare Gebärde des Abscheues beantwortete diese Frage. Holm lächelte. Er wußte, daß die Frucht einen feinen, ausgezeichneten Wohlgeschmack besitzt, der aber nach dem sonderbaren Willen der Natur von einem entsetzlichen üblen Geruch gleichsam umhüllt ist und daher durch einen einzigen gründlichen Forscher, den Engländer Wallace, erst festgestellt wurde.

„Wir wollen doch die Durianen probieren,“ erklärte er.

Die kleine Gesellschaft machte also Halt, obwohl auf den Rat der Malaien in respektvoller Entfernung, um nicht etwa von einer fallenden Frucht dieses seltsamen Baumes erschlagen zu werden, dann kletterten Bassars Söhne wie die Katzen an dem schlanken, astlosen Stamm hinauf und brachten den Weißen mehrere reife Durianen herunter.

Die Schale erwies sich nicht härter als die der Kastanien und war gleich unserer Stachelbeere mit grünen, krautartigen, ganz kleinen Auswüchsen bedeckt; fünf genau begrenzte, gleich große Felder durch Linien bezeichnet, gaben für die zu machenden Einschnitte die nötigen Winke, aber — o Himmel, als sich der Kern ohne Hülle zeigte! —

Ein Geruch wie von Fäulnis und Zwiebeln erfüllte die Luft, so daß sich alle unwillkürlich abwandten, obwohl kaum ein appetitlicherer Anblick als der dieser Frucht gedacht werden konnte. Das eigentliche Fleisch zunächst der Schale, glänzend wie schneeweißer Atlas, barg in seiner Mitte einen rosafarbenen Brei, der vier Kerne umschloß, — eben diese halbflüssige Masse war es, die so besonders angenehm schmecken sollte. Holm schauerte heimlich, aber dennoch kostete er, — kostete nochmals und nickte den entsetzten Malaien zu. „Steigt nur immer hinauf, Freunde, holt mehr Früchte herunter und eßt selbst mit, wenn ihr klug seid. Eine solche Delikatesse gibt es nicht zum zweitenmale.“

„Wirklich, Karl? — Gib her, gib her!“ — „Aber bester Holm, dieser Geruch, wie konnten Sie sich nur entschließen!“