So schallte es durch einander, während der junge Gelehrte mit dem aus dem Besteck gezogenen Löffel die Frucht ihres breiigen Inhaltes entleerte und schon nach der zweiten griff, ehe noch jemand im stande war, das Wunder zu glauben, „Ich sage euch, so haben wir lange nicht gespeist, Kinder! Doktor, halten Sie den Atem an, während der erste Bissen auf Ihrer Zunge schmilzt, späterhin bekümmern Sie sich um alle Zwiebeldüfte der Welt nicht mehr! — Freund Bassar, pflücken Sie gefälligst noch etwa zehn oder zwölf Früchte, soviel Gastfreundschaft müssen uns die Zibetkatzen dieses Landes schon erweisen.“

Während er sprach, hatte Franz mit dem Taschenmesser die letzte Duriane geöffnet und ließ die anderen kosten. Es war ein komischer Anblick. Alle schmeckten, alle fuhren mit den Zungenspitzen über die Lippen und sahen einander an. „Wie Bratensauce und Zwiebeln!“ erklärte Hans. „Gib mir mehr, ich finde den Geschmack vortrefflich.“

„Wie alter Madeirawein!“ nickte der Doktor.

„Nein, wie die feinste Melone!“ rief Franz.

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Unter den Durianenbäumen Borneos.
„Und dann folgte ein wahrer Vernichtungskrieg gegen die Früchte ...“

Und dann erfolgte ein wahrer Vernichtungskrieg gegen die Früchte, welche Bassars Söhne von oben her in das fußhohe Gras herabfallen ließen. Erst als niemand mehr zu essen vermochte, wurde die Wanderung fortgesetzt und später am abendlichen Feuer die gesammelten Kerne der Durianen wie Kastanien geröstet, um zusammen mit einem Hirschziemer ein vortreffliches Nachtmahl zu geben. Die wollenen Decken wurden an einer geschützten Stelle ausgebreitet, Wachen ausgestellt, und dann begann wieder der Halbschlummer, das Ausruhen in weicher, linder Tropennacht. Fliegende Frösche und Kalongs bevölkerten auch hier die Luft, glänzende Insekten, schillernd wie Funken, krochen über den Boden; Holm brach ein großes Blatt und zählte nicht weniger als sechzehn verschiedene Geschöpfe, darunter einen alten Bekannten, wenn auch in beträchtlich vergrößertem Maßstab, den deutschen schwarzen Holzbock! Wie oft hatte er ihn als Knabe eingefangen und in ein Papierhäuschen gesteckt, wie beredt erzählte der Schwarzrock, emsig nach einem Weg über die Untiefen des Blattrandes spähend, von vergangenen Tagen, von Knabenfreude und Knabenwünschen, — Holm ließ ihn in den Spiritusbehälter wandern, um ihn mitzunehmen.

Elftes Kapitel.

Nach einigen Tagen kam das erste Dajaksdorf den Reisenden zu Gesicht. Bassar und Torio versicherten, daß die Kopfjäger niemals Europäer angreifen, sondern immer nur Malaien; unsere Freunde hatten dasselbe auch schon in der Stadt gehört, und so fanden sie denn keinen Grund, den übereinstimmenden Berichten aller hier ansässigen Leute zu mißtrauen, vielmehr folgten sie ohne Bedenken den Führern in das Thal, wo der räuberische Stamm wohnte. Das ganze Dorf der Dajaks bestand aus einem einzigen, etwa zweihundert Meter langen und vierzig Meter breiten Bambusschuppen mit einem spitz zulaufenden Dach aus Palmenblättern. Dieser Bau wurde getragen von fünf Meter hohen Stämmen und hatte überall Strickleitern, die man des Nachts heraufzog; er stand so hoch über dem Erdboden, daß ein beladener Wagen darunter hätte hinwegfahren können. Fenster und Thüren fehlten gänzlich, dafür flatterten überall hübsche Matten, und aus den offenen Löchern sahen braune, neugierige Gesichter hervor. Die meisten dieser Leute mochten nie in ihrem Leben weiße Menschen gesehen haben, andere dagegen gaben in ihrer Sprache Erklärungen; sie gestikulierten äußerst lebhaft und kamen in Sprüngen die Leitern herunter, nicht selten, um mit scheuen Fingern die Fremdlinge zu betasten und durcheinander zu schnattern wie eine Schar Gänse. Gegen die Malaien zeigten sie sich äußerst furchtsam und unterwürfig, alle Fragen, welche diese stellten, wurden diensteifrig beantwortet.