Im Thale lagen unzählige Hütten aus Gras und Mattengeflecht, dicht gedrängt in langen Reihen, jede auf Pfählen und jede spitz wie ein Bienenkorb; daneben Hürden für das Vieh, Büffelkühe, Bergschafe, Schweine und Geflügel und an einer Seite bebaute Felder, an der anderen dagegen verschiedene rohe Werke von Holz, die auf Goldwäscherei schließen ließen. Ein breiter, aus dem Gebirge herabfallender Fluß begrenzte die Niederlassung, deren ganze Ausdehnung die Reisenden nicht überblicken konnten. Jedenfalls hatten sich mehrere der wandernden Züge hier zusammengefunden, es schienen nicht weniger als tausend bis zweitausend Köpfe unter diesen Laubdächern zu wohnen.
Holm legte ungesehen von den übrigen die Hand auf Bassars Achsel. „Da wären wir nun am Ziel,“ sagte er mit leisem, eindringlichem Tone, „versprechen Sie mir, den Frieden dieser Hütten zu ehren, Bassar? wollen Sie da unten keinerlei Zwist oder Hader ausfechten?“
Der Malaie vermied es, ihn anzusehen. „Die Mankeian sind meine Freunde,“ versetzte er, „ich habe Ihnen das schon einmal mitgeteilt, Sir.“
Gerade diese Worte waren es indessen, die Holm hören wollte. „Gut, Bassar,“ beharrte er, „das freut mich ja, aber dennoch möchte ich von Ihnen eine bestimmte Antwort erlangen. Sehen Sie einmal ab von den Mankeian und versprechen Sie mir, mit niemand, er sei wer er wolle, Streit anzufangen.“
Ein ärgerlicher Blick des Führers streifte den seinen. „Das hat keinen Sinn, Herr,“ antwortete er in einem Tone, den er sich bis jetzt niemals erlaubt hatte, „und das ist auch meine Sache allein. Lebe ich, so bringe ich Sie wohlbehalten an das Schiff zurück, — sterbe ich, dann thun das meine Söhne und mein Bruder. Mehr haben Sie nicht zu verlangen.“
Das war deutlich; Holm fragte nicht weiter, aber er hielt es jetzt für notwendig, den übrigen seine Besorgnisse mitzuteilen. Demgemäß wurde einstimmig beschlossen, sich den Dajaks gegenüber möglichst zurückhaltend zu benehmen und den ganzen Besuch auf einen Tag und eine Nacht zu beschränken. Also auch Bassar und Torio waren in ihrer Weise Verräter, man konnte den Malaien unter keiner Bedingung trauen! — Papa Witt behielt recht, wenn er sagte: man muß die gelben Halunken prügeln, das ist das beste. —
In den Herzen aller Weißen regte sich lebhaft das Verlangen, den schlechten Streich der Führer zu bestrafen. Um ihrem Rachegelüst zu genügen, hatten sie die wehrlose Schar der Reisenden auf beinahe unzugänglichem Pfade in das Herz der Wildnis gelockt, ohne sich darum zu bekümmern, welcher Nachteil, welche Lebensgefahr daraus erwachsen würden, — das war nicht minder schändlich als die Betrügerei der Javanen, deren Geldgier sie bewog, die Fremden unter Tigern und Rhinozerossen schutzlos zu verlassen.
Der alte Theologe predigte Ruhe und Besonnenheit. „Noch haben wir nur Vermutungen, Kinder! Seid also auf eurer Hut, aber nicht voreilig im Urteil. Vielleicht endet das alles viel besser, als wir jetzt zu hoffen wagen.“
Holm seufzte. „Dem Panglima und dem Liau dieses Dorfes müssen wir bedeutende Geldgeschenke machen,“ riet er, „ich würde auch vorschlagen, ihm die Pistolen zu Füßen zu legen und das eine oder andere Taschenmesser, obgleich sich die Leute selbst Waffen schmieden. Mir ist, um es rund heraus zu gestehen, diesmal die Sache sehr unbehaglich.“
„Kommt nur,“ drängte Franz, „kommt nur, der Besuch bei dem Panglima ist das Notwendigste.“