Und so zogen sie denn aus, um in der Mitte des Dorfes den Heerführer in seiner Hütte zu begrüßen. Mehrere Männer gaben ihnen das Geleite, überall auf den Dorfstraßen wimmelte es von nackten, schwarzhaarigen Gestalten, die lebhaft, wie etwa bei uns Franzosen oder Italiener, durcheinander schwatzten, schnelle, leichte Bewegungen vollführten und mit blitzenden Augen um sich sahen. Sie schienen heiter, liebenswürdig und freundlich zu sein, aber sehr heftig und von leidenschaftlicher Gemütsart.

Der Panglima zeigte sich inmitten einer Schar bewaffneter Krieger, die alle lange Bambusspieße mit Stahlspitzen und Bogen mit vergifteten Pfeilen trugen. Er war ein Greis von gewiß sechzig Jahren, dem heißen Klima gemäß aber nicht etwa ein alter, wohlerhaltener Mann, sondern schneeweiß mit pergamentfarbenem Gesicht und erloschenem Blick. Seine Hände stützten sich auf einen schlanken, feueräugigen Knaben, seinen Enkel; er empfing mit der ganzen Herablassung eines Fürsten die fremden Reisenden und ließ ihnen in der offenen Hütte eine Mahlzeit aus Hirschbraten, Tuach-Katan und Reis auftragen, auch schlug er es aus, die gebotenen Geldgeschenke zu nehmen. „Die Mankeian sind nicht arm,“ sagte er. „Beseht immerhin ihr Land, jagt den großen Affen und den Paradiesvogel, wenn ihr dergleichen Geschöpfe zwischen euren Heimathütten nicht besitzt, aber behaltet euer Geld. Nigura ist ein großer Kriegsherr, er braucht sich nichts schenken zu lassen.“

Sein matter Blick streifte dabei die abgeschnittenen Köpfe über dem Eingang, als nähme er vor diesen Zeugen bewiesener Tapferkeit den wohlverdienten Ruhm in Anspruch. „Es ist kein Weißer darunter,“ fügte er bei, „auch kein Mann meines eigenen Volkes, das alles sind die Köpfe der Erbfeinde meines Landes, der Malaien.“

„Und du selbst hast diese Menschen getötet, großer Panglima?“ fragte Holm.

Der Greis nickte. „Die Köpfe, welche du hier siehst, sind mein, Fremdling. Jeder meiner Söhne hat eben soviele, ja sogar dieser Knabe, mein Enkel, besitzt schon den Kopf eines Malaienknaben von seinem eigenen Alter, — nicht wahr, Omaha?“

Der junge Bursche sah voll Stolz von einem der Besucher zum anderen. „Ich will auch Panglima werden!“ übersetzte der Dolmetscher seine Antwort ins Englische.

Holm schenkte ihm eine Taschenpistole, die der Knabe mit einem Freudenschrei empfing und vor Entzücken einmal über das andere küßte. Er wolle damit hundert Malaienschädel zerschmettern, versicherte er.

Holm näherte sich dem Panglima. „Unsere Führer sind, obwohl von dem dir verhaßten Volke stammend, doch in deinem Dorfe ihres Lebens sicher, nicht wahr, König Nigura?“ fragte er. „Wir besitzen einen Schutzbrief des holländischen Statthalters, der euch befiehlt, uns und die Malaien ungehindert zu lassen, willst du den respektieren, oder verlangst du, daß wir dein Gebiet meiden?“

Der Greis lächelte. „Wer ist der holländische Statthalter?“ fragte er in geringschätzigem Tone. „Womit will er Nigura, den großen König der Mankeian, zwingen, seinen Fetisch zu achten oder seine Freunde zu beschützen? Wenn es mir beliebt, lasse ich eure und die Köpfe der gelben Diebe über meine Thüre nageln, der holländische Statthalter kann mich daran nicht hindern, aber ich schenke euch Freiheit und Leben, weil kein Mankeian seine Gäste beleidigt, und wären es selbst Malaien. Ihr wohnt in unseren Hütten, ihr eßt an unseren Tischen, so lange es euch beliebt.“

Damit schien er die Audienz beenden zu wollen, man erhob sich also, um im Vorraum zu speisen, bei Gelegenheit des Abschieds aber fragte Holm noch wie zufällig, ob denn nur die Mankeian oder sonst noch ein anderes Volk in diesem Thale wohnten.