„Die Punan,“ hieß es, „ein armer Stamm, der Getreide baut und sich mit den Affen um die Ernte streitet. Der Goldfluß gehört den Mankeian.“

Die kleine Schar wechselte bezeichnende Blicke. Also die Punan waren es, welche Bassar aufsuchen wollte, und daß er als Gast bei den Goldwäschern unverletzlich sei, hatte der Gauner jedenfalls auch recht gut gewußt. Mochte er jetzt thun und lassen, was ihm beliebte, das Wort des Panglima schützte die Weißen vor aller Gefahr.

Der Hirschbraten, das Lendenstück vom Büffel und das erbsenartige Gemüse waren gut zubereitet, der Tuach-Katan wärmte äußerst angenehm den Magen, und die Früchte, welche von allen Seiten herbeigebracht wurden, schmeckten vorzüglich; nach Tisch besahen die Weißen den Fluß, der das Gold im Sande mit sich führte, Holm kaufte eine Handvoll unausgewaschenen, von den gelben glitzernden Spuren durchzogenen Flußsandes; der Dolmetscher mußte, um alles erklären und übersetzen zu können, bei der Gesellschaft bleiben, und so verging ein Abend und eine Nacht, ohne die geringste Störung zu bringen. Interessante Pflanzen und Insekten wurden gesammelt, die Dorfbewohner zeigten sich äußerst zuvorkommend, überall fanden die Weißen gedeckte Tische und willige Hände, auch der kleine Orang-Utang hatte an einer Schafmama eine gutmütige Ernährerin erhalten; man veranstaltete Kampfspiele und Wettfahrten in schmalen, selbstgebauten Booten, den Fremden zu Ehren. Diesem ganzen Treiben aber hielten sich die Punan durchaus fern. Es kam kein einziger von ihnen in das Dorf der Mankeian, wie denn auch die fünf Malaien sich hüteten, ihrerseits das Gebiet der Punan zu betreten; Holm hatte das sehr bald entdeckt, obgleich Bassar achselzuckend die Sache für Zufall erklärte.

Am Abend des zweiten und letzten Tages, nachdem Schmetterlinge, Vögel, Käfer und selbst kleine Vierfüßler in Menge erlegt worden, nachdem man das Leben der Dajaks aus nächster Nähe kennen gelernt hatte, — wurde zur Abreise gerüstet. Das Gepäck war geordnet und für den kleinen Affen eine Ziege gekauft, man hatte sich vom Panglima verabschiedet und Geschenke gemacht und erhalten; die Umgebungen des Dorfes waren aufgenommen, kurz alles wider Erwarten gut abgelaufen; die Weißen mit dem Dolmetscher und den Malaien schliefen oder schienen doch zu schlafen; denn in der That wachten die Gelben und auch der junge Gelehrte. Holm hatte ein verdächtiges Flüstern gehört; er fühlte eine geheime Unruhe, die ihn hinderte, sich dem Schlummer hinzugeben.

Bassar reckte das Haupt. Sein Blick durchdrang die Dämmerung der tropischen Nacht, sein Ohr horchte. Alles still! — Er winkte den übrigen. Torio und die drei jungen Leute mußten dies Zeichen bereits erwartet haben; wie Schatten glitten sie an des Führers Seite, und alle fünf nahmen langsam schleichend, an den Weißen vorüber, den Weg zum Ausgang der Hütte. Holm sah jede Bewegung, — sollte er Einhalt gebieten, sollte er fragen, wohin?

Noch zauderte er. Was konnte ihm die Einmischung nützen? Bassar würde seine Absichten ausführen, ob er sie mißbilligte oder nicht, das war sicher.

Jetzt hatte schon der erste den Thürvorhang erreicht, Holm streckte die Hand aus, um zunächst den Dolmetscher zu wecken, da plötzlich wurde von draußen die Matte hinweggezogen, heller Fackelschein verbreitete sich über das Innere der Hütte, und wenigstens zwanzig Dajaks, mit Spießen und großen Messern bewaffnet, erschienen auf der Schwelle.

Die Aufregung, welche sich während der nächsten Minuten jedes einzelnen Herzens bemächtigte, läßt sich nicht schildern. Nur der Dolmetscher blieb kaltblütig, er schien sehr wohl zu wissen, was da im Entstehen begriffen war, und dachte vielleicht, um seiner Unentbehrlichkeit willen von den Weißen nur noch mehr Geld erpressen zu können. Es gab ja im ganzen Dorfe keinen zweiten, der die einheimische und die englische Sprache gleich geläufig beherrschte, man brauchte ihn notwendiger als jemals.

Aufspringend gleich allen anderen, übersetzte er, was gesprochen wurde.

Ein älterer Dajak, die Stirnbinde um den Kopf, den handbreiten Lendenschurz als einziges Kleidungsstück am braunen, wetterharten Körper, mit düsterem Blick und erhobener Hand trat dem Anführer der Malaien entgegen. Sein Zeigefinger berührte die Brust des Gelben. „Kennst du mich, Bassar, Sohn Hawalles?“ fragte er in feierlichem Tone.