Der Malaie hatte ihn seit dem Augenblick seines Eintretens unverwandt angesehen. Das gelbe Gesicht wurde fahl, in dem Blick des verschmitzten lauernden Auges spiegelte sich ein furchtbares Erschrecken, die ganze Haltung zeigte das offenbarste Schuldbewußtsein. Hinter ihm zischelten und flüsterten die übrigen so leise, daß es dem Dolmetscher unmöglich war, ihre Worte zu übersetzen.

„Kennst du mich?“ wiederholte der Dajak seine frühere Frage.

Bassar schien sich einigermaßen gefaßt zu haben. „Nein!“ antwortete er in rauhem, abweisendem Tone, „nein, ich kenne dich nicht, habe dich nie im Leben gesehen. Gib Raum, was willst du von mir?“

Aber der andere stand unerschütterlich. „Du kamst hierher, um den Stamm der Punan mit Krieg zu überziehen, Bassar,“ fuhr er fort, „du wolltest die Köpfe der Männer holen, deren Großväter einst im Kampfe um den Besitz der Küste deine Vorfahren erschlagen, du wolltest vielleicht sogar ihre jungen Kinder mit dir führen in die Sklaverei der Kohlenbergwerke, aber Dewata-Dugingang sah deine falsche Absicht und lenkte die Schritte der Rächer hierher in dies Thal. Ich bin Solani, der Sohn Alteis, kennst du mich noch nicht?“

Bassar umklammerte krampfhaft den Kolben seiner Büchse. Nur der Hinblick auf die vergifteten Pfeile der Dajaks hielt ihn ab, von der Schußwaffe sofort Gebrauch zu machen. „Was willst du von mir?“ fragte er wieder.

„Deinen Kopf!“ entgegnete düster der Wilde. „Entsinnst du dich des Tages, wo du mit deinen Spießgesellen einbrachst in das unbeschützte, entlegene Dorf der armen Hirten, wo du die Mädchen und Knaben in die Sklaverei schlepptest und das Eigentum der Alten stahlst? — Mein Vater verteidigte seine Hütte, seine jungen, blühenden Töchter, die du in Spielhäuser und an tyrannische Herren verkauft hast, er fiel von deiner verruchten Hand, er mußte seine Kinder dahingeben, ohne sie retten zu können, denn deine teuflische List hatte den Überfall ausgeführt, als die jungen Männer des Stammes abwesend waren, — jetzt gib dafür, was dein ist, dich selbst und die Söhne, welche dir gefolgt sind, ebenso den andern Mann aus deinem Raubtiergeschlecht, deinen Bruder.“

Bassar trat zurück. „Du lügst!“ schrie er wild, „du lügst!“

Holm näherte sich dem Dajak. „Laß ab von deiner Rache, Freund Solani,“ sagte er überredend. „Wir wollen dir eine große Summe Geldes geben, wenn du uns unbehindert unseres Weges gehen läßt.“

Der Dajak schüttelte den Kopf. „Kaufst du mit deinem Gelde das Leben Alteis zurück, weißer Mann?“ fragte er, „kaufst du die Verzweiflung seiner Kinder, die in Kohlengruben und unter den Peitschenhieben grausamer Gebieter elend zu Grunde gingen? — Das war Solanis Vater, das waren seine Schwestern und Brüder!“

Holm klopfte die Schulter des Erregten. „Nein, Solani, nein,“ sagte er eifrig. „Du bist in den Deinigen unheilbar gekränkt und verletzt, aber was nützt es dir, wenn du jetzt einen Mord begehst? Wird dadurch die Sache besser?“