Da oben über dem Eingang hingen, umspielt von den ersten Strahlen der jungen Morgensonne, die abgeschnittenen Köpfe der fünf Malaien, noch blutend, noch wie im Leben mit offenen Augen — grauenhaft, entsetzlich zu sehen. Wo die Körper geblieben, das verriet kein Zeichen; nur der Kopf ist es ja, nach dem des Dajaks brennender Ehrgeiz trachtet.
Der alte Theologe sprach unbeirrt von den drohenden Gefahren des Augenblicks auf Deutsch ein Gebet für die Seelenruhe der Ermordeten, und während dieser in ernstem, würdevollem Ton gehaltenen Rede schwiegen selbst die rohen Heiden, wagten sie keinen Widerspruch, keine Beleidigung, sondern hielten sich still, als sei der „fremde Liau“ ein Priester ihres eigenen Volkes. Der Greis sprach zu den Göttern, Dewata-Dugingang verweilte ungesehen in ihrer Mitte, — sie regten kein Glied, um nicht die Gewaltigen zu erzürnen. —
Das ist die erhabene Macht des Gottesgedankens, daß selbst die wildesten Wilden sich ihr widerstandslos beugen! Kein Volk so niedrig, kein Volk so vertiert — es betet doch. — —
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Fast ohne alle Unterhaltung, ohne die alte frische, fröhliche Reiselaune wurde der erste Teil des Weges zurückgelegt. Gewiß waren große Sünder jählings im Augenblick ihrer kecksten, verbrecherischen Pläne vom Schicksal ereilt worden, gewiß war frevlem Übermute hier von Gottes Hand ein Ziel gesetzt, aber dennoch ließ das Grauenhafte der ganzen Begebenheit zunächst diesem Gedanken noch keinen Spielraum; erst als am Abend ein neues Dorf der wandernden Mankeian erreicht war und hier dem Unterpanglima von König Nigura der Befehl überbracht wurde, die Reisenden in Schutz und Geleit zu nehmen, als die vier Dajaks den Rückweg antraten und somit die äußere Erinnerung an den fünffachen Mord nicht unwillkürlich in jedem Augenblick aufgefrischt ward, da fingen die Weißen an, das schauderhafte Ereignis zu vergessen oder wenigstens doch sich aus dem Bann desselben freizumachen. Auf anderem Wege als dem, welcher sie hierhergeführt, durch lachende Thäler und üppiges Weideland verfolgten sie von Dorf zu Dorf ihren Zug über den ganzen Mittelrücken der Insel. Viele Tausende von Dajaks wohnten im Inneren, und alle gehorchten ohne Widerspruch dem Befehl Niguras, jeder Stamm gab bis zu den nächsten Hütten der kleinen, wandernden Schar einige seiner Krieger zum Geleit, so daß die Weißen von Hand zu Hand bis in die Nähe der Malaiengrenze gelangten; dann freilich hüteten sich die Dajaks, noch weiter vorzudringen, um nicht etwa für jene ersten Schuldigen, hundert Meilen tiefer im Urwalde, zur Rechenschaft gezogen und als willkommene Beute in die Kohlengruben gesteckt zu werden.
Im Angesicht der ersten malaiischen Pflanzung waren sie ohne Abschied wie in den Boden hinein verschwunden.
Die Reisegenossen saßen am Wege und hielten Rat. Holm war verdrießlich, weil er bei der übereilten Flucht seinen kleinen Orang-Utang im Stich lassen mußte, der Doktor riet ernstlich, nun mit den Malaien keine Verbindung wieder anzuknüpfen, nur die drei jungen Leute wollten von keinem Zurückweichen oder Aufgeben hören.
„Wir gehen direkt nach Celebes zu den Alfuren!“ sagte Franz.
„Ich will nach Lombock, um die nur dort wachsende Palme kennen zu lernen, welche, nachdem sie einmal getragen hat, stirbt,“ warf Holm ein.
„Eine Expedition unter Malaienführung mache ich nicht noch einmal wieder mit,“ beharrte der Doktor. „Ihr könnt allein reisen.“