Der vorderste Gelbe streckte die Hand aus. „Das Feuer, welches unter dem Wasser brennt,“ sagte er in englischer Sprache, „wir wollen es haben.“
„Die Laterne?“ rief erschreckend der junge Gelehrte. „Das ist unmöglich, ich kann mir während dieser ganzen Reise keine zweite verschaffen und muß sie behalten!“
Der Orang schüttelte den Kopf. „Sie soll uns Fische und Krebse zeigen, wir wollen sie auf alle Fälle haben.“
Der Kapitän erhob sich vom Sitz. Bisher war ihm bei dem interessanten Schauspiel da unten nicht in den Sinn gekommen, die Boote der Eingebornen zu beobachten, er sah erst jetzt die nahende Gefahr. „Ich gebe euch eine solche Laterne, Leute!“ rief er mit hallender Stimme. „Kommt zum Schiff, und ihr sollt sie haben.“
Die Orang-Badju flüsterten. An ihrer Haltung ließ sich leicht erkennen, daß sie dem Versprechen nicht trauten, sie antworteten mit einer neuen energischen Forderung.
Der Kapitän übersah die augenblickliche Lage. Vom Schiff wenigstens fünfhundert Schritte entfernt, von einer gedrängten Anzahl bewaffneter Männer umgeben, war die Lage der kleinen Schar so ungünstig wie nur möglich. Alle diese Orang-Badju hatten Bogen und Pfeile, schwere mit Eisenspitzen versehene Harpunen und nicht selten auch noch lange Spieße; wenn sie sich ernstlich gegen das Boot der „Hammonia“ kehrten, so war dasselbe verloren.
„Die Gewehre in Anschlag!“ kommandierte er. „Keinen Schuß, ehe ich das Zeichen gebe.“
Dann trug der Wind den Schall der Signalpfeife über das Wasser dahin; jedenfalls aber mußte an Bord die Bedrängnis der Gefährten schon bemerkt worden sein, denn im selben Augenblick stießen die beiden letzten Boote voll bewaffneter Matrosen vom Schiffe ab, und an Deck brummte die Kanone. Eine Kugel flog über alle diese Pfahlbauten hinweg weit in das grüne Ufer hinein, riß die Krone eines Baumes fort und brachte so den Wilden von der verheerenden Macht des Geschosses einen ungeahnten Begriff bei. Sie stutzten, vergaßen im Augenblick die gewohnte, für ihre Absichten so durchaus notwendige Vorsicht und ermöglichten es dadurch dem Kapitän, mittels schneller Bewegung des Steuers aus dem umgebenden Kreise heraus und an die Seite ihrer Fahrzeuge zu gelangen.
Ohne weiteren Befehl legten sich die Matrosen mit vereinten Kräften in die Riemen, das Boot schoß wie eine Möwe über die blaue Flut dahin, — die List der Weißen schien gelungen.
Aber nur sekundenlang währte die Überraschung der Orang-Badju, dann brach von ihren Lippen ein Wutgeheul gleich dem Toben wilder Tiere los, überall schwirrten Pfeile durch die Luft, ja sogar Harpunen wurden geworfen, und wieder einmal erhielten unsere Freunde verschiedene nicht unerhebliche Wunden; sie selbst aber schossen nur auf die leichten Fahrzeuge, nie auf die Eingebornen, deren Wut sich vergrößerte, je mehr Vorsprung ihre Feinde gewannen. Hier oder dort sank eines der schlechten Boote; die Matrosen vom Dampfer vereinigten ihre Kräfte mit denen der Kameraden, und um endlich die Sache gründlich zu behandeln, schlug eine zweite Kanonenkugel derartig ins Meer, daß die Mehrzahl der Wilden von dem gewaltigen Spritzwasser, welches sie überschüttete, zu Boden oder häufig gar über Bord geworfen wurde. Es war eine Szene bodenlosester Verwirrung und des Aufruhrs sondergleichen. Hochgehende Schaumwellen, schwimmende Wilde, leer treibende und versinkende Kanots, dazu Spieße, Ruder, Pfeile und Harpunen, alles nickend und tanzend, wie die Wogen kamen und gingen. Inmitten dieses Trödelmarktes auf den Wellen drangen die Boote mit den Matrosen weit genug vor, um sich erfolgreich zwischen beide Parteien zu werfen; man schoß auch hier nicht, aber dennoch hielten die Kugelbüchsen und vor allen Dingen die Schiffskanone den ganzen Schwarm der Orang-Badju dermaßen in Respekt, daß kein weiterer Versuch zu Feindseligkeiten gewagt wurde. Wie im schweigenden Einverständnis hatte man allerseits das Leben der Wilden verschont und doch seine Zwecke erreicht; Papa Witt nickte grimmig, als die kleine Expedition blutend und mit bleichen Gesichtern wieder an Bord kam. „Die gelben Hunde!“ sagte er. „Wär’s nicht unchristlich gedacht, ich möchte wohl ein paar Vollkugeln in das Dorf hineinschicken und die Banditen unter ihren eigenen Dächern begraben.“