„Eine neue Höhle mag sich das Tier selbst wieder herstellen,“ meinte Holm, „wir wollen uns jetzt etwas näher an das Ufer zurückbegeben und dann unsere Zelte aufschlagen. Die Sonne sinkt, es ist Zeit!“

„Da sehe ich Feuer!“ rief plötzlich Hans. „Ob es ein Dorf ist?“

„Und da! — und da!“ setzten die übrigen hinzu, als heller Schein von allen Seiten den Wald durchleuchtete. „Wie seltsam!“

In der That war dieser Anblick ein nie gesehener, und so im Zwielicht, ohne die Anwesenheit der Wilden, vom kälteren Hauch bereits durchzogen, trug die Landschaft den Charakter des Nordischen, ja fast des Düsteren, Unheimlichen. Wie Soldaten in Reihe und Glied standen die schlanken, astlosen Stämme der Kaurifichten, dicht gedrängt und in den Wipfeln jenes Rauschen verursachend, das so herbstlich, so wehmütig stimmt, das wie ein Wiegenlied über den ganzen Wald von Krone zu Krone dahinklingt; unter ihrem monddurchschienenen Dach erhoben sich die Feuersäulen der brennenden Holzstöße, wallende Rauchwolken strebten empor zum ewigen Blau, und ein eigentümlicher, bald heller, bald dunkler leuchtender Schein traf die ganze Umgebung des Feuers. Hier lag er purpurn auf den Blüten der Myrthaceen, dort rosig auf den Blättern des Gummibaumes, die holzigen, ledernen verjüngend, die glanzlosen mit sanftem Schimmer überziehend; am Fuß der alten Stämme aber fiel sein vollstes Glühen auf die Gruppe der Schwarzen, welche jedesmal dort im Moos oder Gras lang ausgestreckt Nachtruhe hielt und sich so nahe als thunlich um die wärmenden Strahlen geschart hatte. Nicht einmal ein Fell wärmte die nackten Glieder, nicht einmal einen Haufen trockener Blätter hatten sich die Wilden als Lagerstatt zusammengetragen; viel weniger besaßen sie irgend etwas, das einem Dache glich; ja, als die Reisenden näher kamen und den Raum neben dem Feuer überblicken konnten, sahen sie, daß dort von den Eingebornen Fische und Vögel sowie die Wurzeln verschiedener Kräuter in rohem Zustande gegessen wurden.

Als die Weißen ihre kleinen Geschenke auskramten, liefen die Wilden herzu und nahmen dieselben, ohne zu bitten oder zu danken, wie ein Tier das Futter nimmt. Sie standen auch umher, ohne begreifen zu können, was ihre Augen sahen, als später die Weißen Zelte aufschlugen und Decken ausbreiteten. Von den gebotenen Näschereien wie Cakes, Wein, gebratenem Fleische und eingemachten Früchten nahmen sie nur zögernd und ließen nach dem ersten Bissen das übrige wieder fallen. Die Eier, welche sie roh genossen, wiesen sie in gekochtem Zustande schaudernd zurück.

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Das Lager der Papuas im Kaurifichtenwalde.
„... am Fuß der alten Stämme aber fiel sein vollstes Glühen auf die Gruppe der Schwarzen ...“

So wurde denn das Lager aufgesucht, auf allen Seiten umgeben von den Feuern der Wilden, kühl, beinahe kalt selbst unter dem Schutz der Wolldecken, auf einer waldumsäumten, kleinen Ebene belegen, inmitten hundertjähriger Baumriesen, deren Kronen das Schlummerlied rauschten. Hier brauchte keiner für die Sicherheit der anderen zu wachen, nirgend bot sich die Möglichkeit einer Gefahr; es lebte in der Nähe kein Tier, das fähig gewesen wäre, den Menschen zu schaden. Nur wenige rote, kleine Papageien saßen in den Bäumen, in der Ferne bellten wilde Hunde, und zuweilen segelte durch die Luft ein Tier, das dem fliegenden Hunde der Sundainseln verwandt war, ein fliegender Fuchs mit spitzer Schnauze und klugem Gesicht, ein fledermausartiges Beuteltier von rotbrauner Farbe. Das Hübscheste aber, was die Augen der Weißen vor dem Einschlafen noch erblickten, war ein großes weibliches Beuteltier mit feinem, grauen Pelz und einem langen Schwanz, um dessen Ansatz sich die Schwänze mehrerer Jungen, welche die Mutter auf dem Rücken trug, festgeklammert hatten. Das Tier kam schnuppernd heran und fraß dann begierig die Überreste der verschiedenen Mahlzeiten, während seine Sprößlinge auf dem Rücken hockten und warteten, bis sich die gesättigte Alte ins Gras lagern und ihnen zu saugen gestatten würde. —

Am andern Morgen ging es wieder in die Wälder, um Jagd auf die Vögel zu machen, die auf den australischen Inseln sowie auf dem australischen Festlande in großer Mannigfaltigkeit vorkommen. „Wir werden uns so wenig als möglich von der Vogeljagd ablenken lassen,“ sagte Holm, „und Wald und Busch auf das sorgfältigste absuchen. Größere Exemplare werden sofort abgehäutet, kleinere Vögel werden wir an Bord präparieren. Die neuholländischen Inseln sind eine wahre Fundgrube für den Zoologen in bezug auf die Vogelwelt.“