Vor dem Malagaschen erhob sich eine schwarze Schlange von etwa zwei Meter Länge. Ihr lebhaft blaßrot gefärbter Bauch schimmerte im Sonnenlichte, ihre Augen funkelten. Den Kopf hatte sie zurückgelegt, den Rachen mit den Giftzähnen weit zum Bisse aufgesperrt. Rua-Roa schien rettungslos verloren.

„Die Schwarzotter!“ rief der Führer erschrocken.

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Rua-Roa und die Buschotter.
„Plötzlich stieß Rua-Roa einen durchdringenden Schrei aus.“

Ehe jedoch die Schlange zum Bisse ausholen konnte, hatte Franz in Blitzeseile die mit Schrot geladene Flinte angelegt und losgedrückt. In scheußlichen Ringeln wälzte das getroffene Tier sich im Grase. Rua-Roa sprang zurück und war gerettet. Eine Sekunde später und er wäre dem giftigen Reptil zum Opfer gefallen.

Die Schlange krümmte sich in ohnmächtiger Wut auf dem Boden, die Schrotkörner hatten sie zwar verwundet, aber ihrem zähen Leben kein Ende gemacht. Sie mochte jedoch wohl fühlen, daß sie zu schwer verletzt sei, um weiter leben zu können und mit einem kräftigen Biß versetzte sie sich selbst die Todeswunde in ihren Schwanz, worauf sie alsbald verendete.

Der Führer lobte Franzens rasche Entschlossenheit. „Du hast mich jetzt zum zweitenmale aus Todesgefahr errettet,“ flüsterte Rua-Roa ihm zu, „wie soll ich dir danken?“

„Hättest du nicht dasselbe gethan, wenn ich an deiner Stelle gewesen wäre?“ fragte Franz. „Und sind wir nicht Blutbrüder?“ fügte er leise hinzu.

Der Malagasche konnte nicht antworten, in seinen Augen aber standen Thränen.