Man nahm sich jetzt auch Muße, den Pflanzen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie begegneten dem Eisenrindenbaum, dessen festes Holz sich vortrefflich zu haltbaren Zäunen eignet, da es fast gar nicht in der Erde fault. „Das wäre ein Holz für Eisenbahnschwellen und Telegraphenstangen,“ meinte Franz. „Vielleicht bildet es später einmal einen geeigneten und nützlichen Handelsartikel.“

„Bravo!“ rief Holm. „Ich sehe, die Naturforscherreise hat den Sinn für deinen künftigen Kaufmannsberuf nicht erstickt.“

Dann fand sich auch der „Stringybark“, dessen langfaserige Rinde in Streifen von sieben bis zehn Metern niederhängt und dem Baum das Ansehen eines zerlumpten Bettlers gibt, während die abgefallene äußere Rindenschicht in langen, trockenen, braunen Rollen wie riesige Zimtstengel am Boden umherliegt.

Zwischen dem Unterholze bemerkten sie die „Flaschenbürste.“ Sie hat rauhe gedrehte Zweige und ein Blatt, das dem unserer deutschen Stechpalme sehr ähnlich sieht. Sir Joseph Banks gab ihr den Namen Banksia, die Bezeichnung Flaschenbürste erhielt sie wahrscheinlich von dessen Haushofmeister, der am Flaschenputzen mehr Interesse hatte als an der Botanik.

Die aufrechtstehenden, kugelförmigen Blüten, mit denen dieser eigentümliche Busch übersäet ist, gleichen in der That jenem nützlichen Instrument, nach dem er benannt ward. Bei voller Blüte sehen die tief orangefarbenen Blumen vortrefflich aus; im Winter aber, wenn die abgeblühten braunen Kegel noch immer an der Pflanze hängen, geben sie dem Busch ein wildes, wunderliches Aussehen.

Neben der Flaschenbürste standen zwei zierlichere Gewächse das Exocaspus oder die wilde Kirsche, welche den Kern nicht innen sondern außen an der einen Seite der Frucht trägt, und der „Wottle“ oder die australische Akazie, die mit gelben Blütenbüscheln bedeckt ist und die Luft mit balsamischen Wohlgerüchen erfüllt.

Den Eukalyptusbaum fanden die Reisenden häufig. Auch im südlichen Europa fängt man an, diesen rasch wachsenden Baum zu pflanzen, dessen aromatische, harzreiche Blätter nicht nur ein Mittel gegen das Fieber sind, sondern der ferner die herrliche Eigenschaft besitzt, Moräste und sumpfige Gegenden, welche mit ihren schädlichen Ausdünstungen Fieber und Typhus erzeugen, durch seinen Anbau in schöne Wälder zu verwandeln, die dann statt der gefährlichen Miasmen frische, dem Menschen zuträgliche Luft aushauchen.

Die Kasuarinen, welche die Kolonisten sehr ungerechtfertigt Eiche nennen, sind von auffallender Form, ihre blätterlosen, dünnen Zweige geben ihnen das Ansehen baumartiger Schachtelhalme. Die Bewohner der Südseeinseln verfertigen ihre Kriegskeulen aus dem harten Holz der Kasuarinen, weshalb dieselben auch wohl Keulenbäume genannt werden.

Der neuseeländische Flachs wuchs in den Niederungen. Die zwei Meter hohe Pflanze hat viele Ähnlichkeit mit unserer Schwertlilie, jedoch besitzt sie dickere Stengel und rote Blumen. Aus ihren festen Blättern gewinnt man eine Pflanzenfaser, die den Eingebornen schon seit undenklicher Zeit zur Anfertigung von Kleidung, Matten, Netzen und Seilen dient, allein von weit größerem Nutzen hat sich der neuseeländische Flachs (Phormium tenax) für die Europäer herausgestellt. Er eignet sich zu Tauwerk nicht nur unendlich besser als der europäische Hanf, sondern die aus ihm verfertigten Gewebe lassen an Dauerhaftigkeit, Geschmeidigkeit und Glanz die europäische Leinwand weit hinter sich. Die Engländer führen namentlich von Neuseeland jährlich neuseeländischen Flachs im Werte von gegen 20000 Pfund Sterling aus und die Franzosen haben ihn bereits in Südfrankreich mit Vorteil angepflanzt.

Als sie nun so weiter zogen und die fremdartige Pflanzenwelt dieses sonderbaren Weltteiles ihrer Beobachtung unterzogen, trafen sie auf ihrem Gange einen Erdbau an, der fast dem eines europäischen Fuchses glich.