Er blieb während der ganzen Nacht unsichtbar, am frühen Morgen jedoch erschien er wieder. „Wenn die Weißen langsam reiten wollten, so daß ein Mann zu Fuß bequem folgen könne, dann sei es ihm doch vielleicht möglich, unter den Felsen am Ufer einen Weg zu finden, der das Gebiet der Ara-Punga nicht berühre. Wie viel bei der Sache verdient werden könne?“
Thompson bot im Namen der Weißen eine anständige Summe, und beide Teile einigten sich dahin, gleich nach dem Frühstück abzureisen. „Ich traue dem Frieden nicht so recht,“ erklärte der Führer, „da ist irgend ein Schurkenstreich im Werden begriffen. Wollen wir auf das gute Glück hin allein fortreiten oder riskieren, daß uns der ganze Stamm nachschleicht, um Beute zu machen?“
Die Reisegenossen sahen einander an. „Laßt uns lieber das Geld bezahlen und doch ohne Führer reisen,“ antwortete der Doktor. „Wir hatten ja auch bisher keinen solchen.“
„Well!“ nickte der Dolmetscher. „Aber auf dem Gebiet der steinigen, von Klippen durchzogenen, oft aus Sandfeldern bestehenden Küste leben weder Känguruhs noch wachsen solche Wurzeln, die zur Not einen Menschen vom Hungertode erretten können. Was wollen wir essen, wenn uns die Kolonie während mehrerer Tage nicht zu Gesicht käme?“
„Warum trauen Sie denn dem Schwarzen nicht, Thompson?“
„Hm, die Australneger sind durchweg rachsüchtiger Natur. Daß wir ihnen mittels unausgesetzter Wachsamkeit ihre kleinen Diebereien unmöglich gemacht haben, verzeihen sie uns nicht.“
„Da gibt es also nur ein einziges Mittel,“ entschied Holm. „Die Kolonie liegt ohne Zweifel am Meer, wie alle Ansiedelungen auf wildem Gebiet; wir können uns also in der Richtung nicht irren, das ist die Hauptsache. Eine Partie Schildkröteneier und etwas von dem harten Tarogebäck wird sich ja kaufen lassen, das reicht für einen Tag; während der Nacht bleiben wir im Sattel, so daß kein Überfall möglich ist und folgenden Morgens erreichen wir unser Ziel.“
Der Dolmetscher lächelte. „Ganz gut, Sir, ganz gut,“ versetzte er, „aber den Führer können wir dabei doch nicht entbehren. Die Küste ist so unregelmäßig, so von Ausläufern und vorspringenden Landzungen unterbrochen, daß recht wohl in einer dieser versteckten Buchten die Kolonie unseren Blicken entgehen könnte und daß wir direkt hinter dem jedenfalls nur unbedeutenden Städtchen vorüberreiten. Besäßen wir Lebensmittel, dann stände alles anders, so aber stimme ich dafür, den Schwarzen mitzunehmen.“
„Abgemacht!“ rief Franz. „Mr. Thompson und seine Genossen haben nur übernommen, uns durch das Gebirge zu führen; sie erklärten von vorn herein, in den Küstendistrikten ganz unbekannt zu sein; wir können ihnen also jetzt, wo sie uns aus Gefälligkeit unter den schwersten Entbehrungen hierher begleiteten, nicht zumuten, auch noch Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Der Schwarze soll schon gehorchen, wenn er erst mit uns allein im Walde ist.“
Mr. Thompson erhandelte von den Schwarzen, die sich noch mehr als am letzten Abend von ihren Gästen zurückzogen, eine tüchtige Anzahl Eier sowie Taro, beides steinhart gebacken; die Wasserflaschen wurden gefüllt und die Decken aufgeschnallt, dann ging es unter Heu-Heu’s Führung weiter über den Strand dahin. Ein Versuch, diesen ungastlichen, scheuen Wilden Lebewohl zu sagen, schlug gänzlich fehl, sie hatten sich in ihre Hütten zurückgezogen und schienen den Weißen einen tief empfundenen Haß zu bewahren.