„Wer hat denn für euren Freund das Kreuz gezimmert?“ fragte endlich Holm.

„Er selbst. Er hat auch den Holzkasten, worin er liegt, mit eigener Hand gemacht; mich trug er auf den Armen, als ich noch ein kleines Kind war.“

„Also ruht er lange schon!“ setzte der Doktor hinzu. „Und was er ausgesäet, ist wieder überwuchert vom Unkraut; die er als Säuglinge taufte, sind heute Wilde und vielleicht arge Schurken dazu. Aber einen Kranz auf das einsame Grab wollen wir doch legen, nicht wahr?“

Die jungen Leute hatten schon den gleichen Gedanken gehabt. Schilf und ein paar spärliche Blüten, wie sie die australische Flora hergab, bildeten einen schlichten Kranz, der das Holzkreuz rings umflocht. Nachdem so der tote Mann ihrer eigenen Farbe von den Weißen geehrt worden war, setzten sie ihre Reise fort, wobei noch der Wilde eingestand, daß er eigentlich John Eward heiße, später aber nach Landessitte von den Seinen wieder Heu-Heu genannt worden sei.

„Sind denn außer diesem einen nie mehr Missionare hierhergekommen?“ fragte Franz.

„Doch, noch viele, aber wir haben sie totgeschlagen. Weiße und wir können nicht zusammenleben.“

„Da hat er recht,“ nickte Thompson. „Eigentümlich genug; aber dies Volk verträgt und mischt sich mit der weißen Rasse nirgends. Wie in Nordamerika die Indianer, so werden in ganz Australien die Eingebornen verdrängt und sterben aus, aber sie schließen mit uns keinen Frieden.“

Heu-Heu sah von einem zum andern. Er hörte, daß von seinem Volke gesprochen wurde, — der lauernde Blick zeigte, daß er etwas verbarg.

„Nicht so schnell,“ ermahnte er schon nach den ersten Wegstunden. „Ich kann mit euren großen Pferden unmöglich Schritt halten.“

Der Führer zügelte sein Tier. „Komm her,“ sagte er, „setze dich hinter mich, der Gaul verträgt’s schon eine Weile.“