Der alte Squatter war’s. Er sah Weidengebüsche und auf ihren Zweigen ein paar Eisvögel, — da mußte süßes Wasser sein. In aller Stille, um niemand zu täuschen machte er sich auf und suchte, und richtig, ein murmelndes Flüßchen kroch über den Sand, er konnte sein lautes Hurra! hurra! den Genossen zujubeln.

Menschen und Tiere tranken, Menschen und Tiere badeten unterhalb des Flüßchens die heißen, eingetrockneten, staubbedeckten Glieder; auch der Doktor erwachte von all dem Toben und Jubeln, auch er wurde an den segenspendenden Quell geführt und ihm zum Bade das bequemste Plätzchen ausgesucht. Es war ein Freuen und Jauchzen überall, sogar die Pferde ließ man laufen, damit sie sich in der Umgebung ein Frühstück suchten; Hans dehnte sich im Wasser von einer Seite zur anderen und behauptete, daß er noch stundenlang so liegen bleiben würde, kurz, alle diese gehetzten, halbverhungerten Menschen genossen in vollen Zügen die Seligkeit des frischen Bades und Trunkes, alle steckten sie, Führer und Reisende, jung und alt, bis an den Hals im Wasser; da plötzlich erschienen auf der Szene zwei Personen, die zwar durchaus nicht gefahrdrohend oder schrecklich aussahen, deren Empfang sich aber unter den gegebenen Verhältnissen nicht bewerkstelligen ließ, — zwei Frauen in deutscher Bauerntracht mit großen runden Strohhüten, Körbe am Arm und derbe Holzpantoffeln an den strumpflosen Füßen.

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Die Überraschung im Bade.
„Da plötzlich erschienen auf der Szene zwei Personen, die zwar durchaus nicht gefahrdrohend oder schrecklich aussahen ...“

Einen Augenblick schien es, als wollten sie die Flucht ergreifen oder wenigstens um Hilfe rufen. Kopf an Kopf im Wasser, auf dem Strand die Kleider, — was bedeutete das in der Wildnis, wo ihnen noch nie eine Menschenseele begegnet war?

Holm beruhigte durch seinen freundlichen Zuruf die Erschreckten. Im Namen aller seiner Gefährten — gegenwärtig nicht vorstellbar, wie er beifügte, — erzählte er den Hergang des Geschehenen und bat um gastliche Aufnahme im Städtchen.

Die Antwort klang deutsch, norddeutsch sogar; sie entzückte die Hörer: „Willkommen bei Landsleuten, ihr Herren! Geht nur hinunter und laßt euch Speise und Trank geben. Gott zum Gruß!“

Damit entfernten sich heimlich lächelnd die Frauen, um weiterhin am Strande junge Schildkröten aufzulesen; unsere Freunde aber fanden es nun doch geraten, an dieser Stelle, die sich bei näherer Betrachtung als gangbare Landstraße erwies, nicht länger in Adams Toilette zu verharren, sondern sich im ganzen Glanze ihrer vielfach zerrissenen und von Flecken übersäeten Leinenkleidern den Bewohnern des Örtchens zu präsentieren. Eine Stunde später hielten sie jenseits der schnell umrittenen Meeresbucht unter dem kuriosen Türmchen ihren Einzug, und am Abend dieses so schön begonnenen Tages schliefen sie wie die Bären in Federbetten, die zwar nicht in Deutschlands Gauen, aber doch nach deutscher Art gestopft waren. In Federbetten! — seit Hamburg hatten sie keine mehr gesehen, seit Hamburg sich nicht so behaglich gestreckt, so zu Hause gefunden wie hier unter diesen ländlich-einfachen Leuten.

Alles deutsch, deutsch. Früh am Morgen gab es Kaffee und eigengebackenes Brot, „Stuten“, wie die lächelnde Wirtin sagte; die Kinder mußten ihre Lektionen wiederholen und wanderten zur Schule; der Schmied und der Böttcher arbeiteten auf der Straße vor den Werkstätten; hüben und drüben erklangen deutsche Lieder. Die freundlichen Leutchen ließen sich von ihren Gästen wieder und wieder erzählen, was sie alles Schönes, Herrliches in der weiten Welt gesehen, besonders die alte Großmutter horchte begierig diesen Berichten, aber sie schüttelte doch zuletzt den Kopf und fuhr mit dem Rücken der mageren zitternden Hand über die feuchtgewordenen Augen. „Zu Hause ist es am besten,“ sagte sie dann, „in Deutschland ist alles am besten.“