Namentlich Franz erfreute sich ihrer Gunst. „Setze er sich zu mir, junger Herr,“ konnte sie in urwüchsigem Plattdeutsch bitten, „ich möchte ihn einmal etwas fragen. Sieht er, mein Sohn, der Bauer hier im Hause sagte zuweilen, daß auf unseres Herrgottes Erde die deutsche Heimat gerade unter unseren Füßen liege und daß ich, wenn meine Stricknadel dazu lang genug wäre, hier in den Boden hineinbohren und zu Hause in Deutschland wieder ans Tageslicht kommen könne. Ist das die Wahrheit?“

Und als der junge Mann lächelnd bejahte, da wiegte sie den eisgrauen Kopf. „Dann hätte man also gar nicht weiter von Deutschland fortkommen können, als bis hierher, junger Herr?“

„Zu Lande nicht, Mütterchen.“

Die Alte schwieg lange Zeit. „Grüße er mir das liebe kleine Holstein, wenn er wieder heimkommt, junger Herr,“ bat sie endlich. „Da hat vor achtzig Jahren meine Wiege gestanden.“

Franz drückte gerührt die faltige Hand. Ihm und allen anderen wurde es schwer, von diesem traulichen Asyl, das den müden Wanderern Leib und Seele neu erfrischt, nach einigen Tagen des behaglichen Ausruhens wieder zu scheiden. Wie eine Art Heimatsgefühl war es über aller Herzen gekommen; wie von lieben Angehörigen nahmen sie Abschied, und mehr als ein Seufzer flog zum Städtchen zurück, nachdem die kleine Schar abermals im Sattel saß und neuen Gefahren, neuen Anstrengungen entgegenging. Dieser Weg wurde jedoch durch die erhaltene Begleitung mehrerer Bauern, die Wolle zur Hauptstadt brachten, und durch die mitgenommenen reichlichen Vorräte bedeutend erleichtert. Vorüber an himmelhohen Gebirgszügen mit prächtigen Gipfeln an zahlreichen anziehenden Punkten ging es in bequemen Tagereisen und unter dem Schutze ausreichender Ortskenntnis langsam durch das reizlose Land zum Schiff zurück, wo schon der Kapitän und Papa Witt angefangen hatten, heimliche Besorgnis zu hegen.

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Als man am ersten Abend behaglich in der Kajütte saß, warf der Kapitän, der mit Genugthuung einige Herabstimmung bei unseren Freunden gemerkt hatte, mit schlauem Lächeln die Äußerung hin: „also morgen nach dem Südpol?“

Eine längere Pause entstand. Man sah sich gegenseitig an, niemand sagte ein entschiedenes Ja, von dem sonst so kühnen Franz ward sogar ein Seufzer gehört.

Da brach Holm das Eis. „Kinder,“ rief er, „seien wir ehrlich. Es ist offenbar, daß niemand mehr rechte Lust zu diesem ausschweifenden Unternehmen hat, nehmen wir uns nicht selbst unnötig beim Wort, sondern gehen wir mutig einen Schritt zurück und dampfen wir durchs Korallenmeer ruhig nach Samoa. Da ist’s wärmer und behaglicher, und wir kommen einige Monate früher nach Hause.“

„Früher nach Hause, das ist das Entscheidende!“ jubelten die Knaben, der Doktor nickte billigend mit dem Haupte und alle atmeten auf, als sie sich von dem etwas übereilt gefaßten Vorhaben befreit fühlten.