„Sie suchen Wasser,“ beharrte der Malagasche. „Sie sind früh morgens hier gegangen und haben aus Durst die Blätter des Yaquota durch den Mund gezogen, — auch Orangen haben sie gepflückt.“

Er zeigte einzelne Kerne, kleine Stückchen Schale und hob dann plötzlich ein kaum fingerlanges Pflänzchen aus dem Boden hervor. „Wasser,“ flüsterte er, „es ist Wasser in der Nähe. Diese Blume lebt nur an feuchten Stellen.“

Holm hatte den grünen Stengel ergriffen. „Ein Vergißmeinnicht,“ sagte er lächelnd, „ein deutsches Vergißmeinnicht! — Aber du hast recht, Junge; dergleichen liebt feuchte Gräben oder mehr noch seichtes, fließendes Wasser. Vorsichtig also, um Gotteswillen vorsichtig, die Wilden können ganz in der Nähe ihr Dorf haben.“

Der Malagasche schlich lautlos voran. Den Hut und den Rock hatte er, sonst an diese Bekleidungsstücke zivilisierter Menschen längst gewöhnt, schon abgeworfen; jetzt folgten auch die Stiefel, und nur mit Hemd und Leinenhose angethan, drängte sich der Sohn des wilden Stammes wie ein schlankes Reh durch die niederen Büsche, den einzelnen kleinen Vergißmeinnichtstauden folgend, bis an ein Bächlein, das über den Waldboden dahinrieselte und an seinen Ufern ganze Felder der blauen Blume umspülte. Hier traten erkennbare Fußspuren zu Tage. Die verirrten Matrosen hatten knieend getrunken und dann so gut, als es anging, gebadet; ihr weiterer Weg führte am Fluß hinauf, woselbst denn auch nach kurzer Wanderung der Malagasche die ersten Anzeichen menschlicher Nähe entdeckte. Ein Wink befahl den übrigen, zurückzubleiben; Rua-Roa tauchte geräuschlos wie eine Schlange in das Dickicht und kam nach wenigen Minuten blaß vor Erregung zurück. „Die Fidschianer sind da,“ raunte er, „und die Weißen auch, sechzehn Männer im ganzen. Ich glaube, wir können siegen! — kommt hier herum, — aber leise, leise!“

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Befreiung der Gefangenen aus den Händen der Fidschianer.
„Die Kugelbüchsen schußgerecht in den Händen, die Säbel gelockert und die Herzen schlagend vor Erwartung, so folgten die Weißen dem jungen Hova.“

Die Kugelbüchsen schußgerecht in den Händen, die Säbel gelockert und die Herzen schlagend vor Erwartung, vor begreiflicher Unruhe, so folgten die Weißen dem jungen Hova. Bald sahen alle in geringer Entfernung das Dorf der Fidschianer und diese selbst; den Hintergrund bildeten hübsche Pfahlbauten, deren Thüröffnungen bunte, geschmückte Decken zeigten, und über denen auf mäßiger Anhöhe der Ortstempel sich erhob. Dies letztere Gebäude diente den Häuptlingen als Schlafgemach und umschloß eine Art von Altar, vor welchem die Priester den Kolan (Göttern) die üblichen Menschenopfer darbrachten; außerdem aber schienen rings um dasselbe herum in Friedenszeiten die Wurfwaffen der Insulaner als eine Art künstlich geordneter Schmuck verwahrt, während auf dem spitzen Dache eine ungeheure Anzahl von Schädeln zur Pyramide getürmt war.

Die Fidschianer trugen weiße, selbstgewebte Stoffe aus den Fasern einer Binsengattung; diese Kleider hatten aber keinerlei Schnitt und wurden weder angezogen noch geschlossen; vielmehr erschienen Männer und Frauen vom Kopf bis zu den Knieen hineingewickelt, so zwar, daß das letzte Ende des Zeuges je nach dem Range der verschiedenen Personen von einem bis zu dreißig Fuß nachschleppte. Ihre Farbe war schwarzbraun, ihr Haar lang und lockig, die Bärte besonders voll entwickelt und ihre Höhe staunenswert. Manche hatten geradezu riesenhafte Größe.

Alle diese Wilden lagen im Halbkreise um ein Feuer, das soeben zu glimmen begann, und das die Priester schürten. Vor ihnen hockten am Boden um eine große, aus einem Holzblock künstlich geschnitzte Schale eine Anzahl junger Mädchen, die sämtlich beschäftigt waren, den Kriegern das Material zu ihrer Bowle zu liefern und zwar auf eine ebenso abscheuliche als nur diesen barbarischen Völkerschaften eigentümliche Art. Sie kauten nämlich die Wurzeln einer Pfefferpflanze zwischen ihren Zähnen zu Brei und spuckten diesen letzteren in die große Schale, von wo er mit Wasser vermischt an das Feuer kommt und abgeklärt den „Kawa“, ein sehr berauschendes Getränk, gibt.