Hier lagen die Männer im Schatten und spielten das beliebte Lupespiel, indes die Frauen zwischen heißen Steinen kochten und backten, oder feine, dem schönsten Baumwollengewebe gleichende Matten verfertigten; der Grasgürtel an ganz nackten Gestalten kam wieder zum Vorschein und schließlich auch ein Tempel mit den beiden gekreuzten Bambusstäben über dem Eingang „Tabu“ d. i. „heilig“ — wer den Ort betritt, dessen Leben ist verwirkt.

Die Reisenden machten Halt. Ein andres Dorf war vor Einbruch der Nacht nicht mehr zu erreichen, also mußten die Hängematten hier aufgeschlagen werden, während sich die Eingebornen beobachtend und zurückhaltend in ihren Hütten hielten oder unbekümmert um das was vorging, dem Lupespiel nachhingen.

Früchte, Federn und besonders Muscheln gaben dabei den Einsatz. Die Häuptlinge lagen bequem im Gras, auf den linken Ellbogen gestützt, indes sich die Rechte wieder und wieder blitzschnell dem Gegner entgegenstreckte, einige Finger geschlossen, andre emporgehalten, ziemlich wie bei unserem deutschen Kinderspiel: „Vogel flieg auf!“ — Verfehlt es der andere, eine gleiche Anzahl von Fingern ebenso schnell vorzustrecken, dann hat er den Strich verloren. Zehn Striche entscheiden das Spiel.

„Merkwürdig, daß man wenige oder gar keine Kinder sieht!“ meinte Franz.

Holm schüttelte den Kopf. „Das ist sehr einfach, mein Bester, sie bringen die, welche ihnen lästig werden, um. Nur die christliche Mission hat, wohin sie kam, diesem Unwesen steuern können, sonst herrscht es noch auf sämtlichen Südseeinseln.“

„Was kommt da?“ rief plötzlich der Malagasche. „Ein Zauber!“

„Rua! — Rua!“

„Sieh hin, Herr, sieh hin!“

Auch die Spieler und die arbeitenden Frauen waren aufmerksam geworden, aber keines schien erschrocken oder erstaunt, vielmehr sammelten sich alle vor den Thüren und sahen gespannten Blickes einem Zuge entgegen, der die Dorfstraße heraufkam. Sechs Männer trugen den siebenten auf wahrhaft barbarische Weise des Weges; sie hatten ihn mit Bastschnüren an Händen und Füßen gebunden, einen dornigen, überall von langen Stacheln umwucherten Stamm hindurchgeschoben und nun das unglückliche Opfer wie ein Schlachttier aufgeladen. Der Kopf des noch jungen Mannes hing wie leblos herab, auf seinen Lippen stand Schaum, die Augen waren unnatürlich weit geöffnet und sahen mit völlig irrem Ausdruck gerade vor sich hin, während Hände und Füße heftig bluteten.

Aus allen Hütten stürzten die Eingebornen und folgten höhnend und schimpfend dem Zuge, immer stärker und stärker schwoll der Strom, dem ein Priester mit langem Stabe und einer riesenhaften Perücke unter allerlei Grimassen voranschritt, von rechts und links stürzten Weiber mit geballten Fäusten herbei, aber ohne doch das Opfer zu berühren, sie drohten und lärmten nur wie Tollhäusler.