Der alte Doktor ging schnellen Schrittes, von Entrüstung getrieben, den Ankommenden entgegen. „Was habt ihr da, Leute?“ rief er voll heiligen Zornes, „augenblicklich laßt den unglücklichen Menschen los!“

Die übrigen waren ihm eben so rasch gefolgt, sie stimmten jetzt sämtlich ein in die gestellte Forderung, ja, Franz und der Malagasche legten unverweilt Hand ans Werk, um die Faserschnüre zu durchschneiden und den Ohnmächtigen in Freiheit zu setzen. Er fiel schwer, wie leblos zu Boden.

„Was hattet ihr mit diesem Manne?“ fragte Holms ruhige Stimme.

„Er ist ein Dieb, wir bestrafen ihn nach unseren Gesetzen. Wenn du in einem unserer Häuser etwas stehlen solltest, dann geschieht dir das Gleiche, Fremder.“

Die Worte waren in drohendem Tone hervorgestoßen, ein allgemeines Murmeln zeigte die Entrüstung des Volkes; der Priester schien heimlich die Nächststehenden aufzuhetzen.

Da legte sich der Führer ins Mittel, eben jener Johannes, der in den Werkräumen als Aufseher fungierte. „Wißt ihr auch, Leute, vor wem ihr hier im Augenblick steht?“ fragte er.

Das Gerücht hatte seinen Weg über die Insel schon gefunden, man sah es. Die Leute knirschten, aber sie wagten keinen Widerspruch, selbst der vorlaute Sprecher verstummte und ließ es geschehen, daß die Weißen den bewußtlosen Mann wieder ins Leben zurückführten. Johannes reichte ihm die Hand. „Allolo,“ sagte er, „du hättest gestohlen? Kann das wahr sein?“

Der Unglückliche weinte. „Ja, ich habe es gethan, Johannes, — und auch nicht, wie man die Sache nehmen will. Du weißt dem Häuptling Bela gehört die Hütte, in der ich wohne, der Yams und Taro, den mein Weib pflanzt, die alten Urubäume. Meine Familie ist leibeigen, ich kann nie selbst Besitzer werden. Aber Bela trinkt den Branntwein der Weißen, er hat alle seine Ländereien verkauft, er ist arm, Johannes, und ich muß ihn ernähren. Er hatte verboten, von den Früchten zu nehmen, aber ich ließ mein Weib und die Kinder essen, — als keine Melonen mehr zu finden waren, haben sie Yams gegraben, dafür werde ich so unmenschlich bestraft.“

„Nach den alten Gesetzen der Samoaner!“ rief giftig der Zauberer.

Johannes übersetzte Wort für Wort, ohne etwas hinzuzufügen oder etwas wegzulassen. Als der blutende, zerschundene Mann schwieg, sagte er: „Und du willst trotzdem hier bleiben, Allolo, du willst den Yams und die anderen Früchte bauen, damit deine Kinder hungern, während der verworfene Säufer beansprucht, was dein ist?“