Und nun entstand ein belustigender Kampf. Die Fische schwammen in höchster Wut hin und her über dem Körper ihres besiegten Gegners, ohne ihm jedoch mit Erfolg beikommen zu können. Stießen die furchtbaren Schwerter gegen den Helm, so prallten sie ab, kehrte sich jedoch ihre Wucht gegen den in Kautschuk steckenden Mann, so wich dieser dem ohnehin unsicheren Stoße mit leichter Mühe aus, wodurch der Zorn der gewaltigen Tiere nur immer lebhafter erregt wurde. Da ihr Gegner unter ihnen lag, anstatt wie gewöhnlich über ihnen zu schweben, so konnte die gewohnte Taktik des Unterlaufens nicht befolgt werden, weshalb beide Ungeheuer ratlos tobend, daß die Boote schaukelten, durch das Wasser hin und her jagten, jedesmal aber, wenn von oben an der Maschinerie gewunden wurde, um den Bedrohten heraufzuziehen, den Fluchtversuch desselben durch erneute Stöße sogleich verhinderten. Die Lage des Mannes wurde ernst und immer ernster! Wenn sich unter allen diesen ruckartigen Bewegungen der Helm löste, so war er unrettbar verloren.
Die Aufmerksamkeit unserer Freunde, ihr lebhaftes Interesse verdoppelten sich von Augenblick zu Augenblick. Sie sahen, wie der Taucher langsam am Boden gegen das Wrack hin fortkroch und begriffen sofort, was er wollte, — sich durch schnelles Erklettern desselben den Unholden entziehen. Diese schwammen fortwährend über ihm her, peitschten das Wasser mit ihren Schwänzen und stießen blindlings nach allen Richtungen, meistens ellenhoch über den Bedrohten dahin.
Franz erhob sich plötzlich vom Sitz. „Eine wollene Decke und ein Tau, Steuermann!“ rief er mit lauter Stimme. „Schnell! schnell!“
Der Alte hatte schon den gleichen Gedanken gehabt; er konnte daher die Bitte seines jungen Freundes um so schleuniger erfüllen, und nun ließen Holm und die beiden Brüder langsam das große, mit einem Gewicht beschwerte Bündel in die Tiefe hinab, um dadurch das Interesse der Fische von ihrem bedrohten Opfer abzulenken. Der Taucher sah alles; seine Handbewegungen schienen um Eile zu bitten; er schob und drehte an dem Helm, als drohe dieser, sich zu lösen.
Aller Pulse klopften in fieberhafter Spannung. Wenn nicht bald Hilfe kam, so war der geängstigte Matrose seinen Peinigern verfallen.
Die Fische sahen das Bündel und stutzten, dann warfen sie sich mit vereinter Kraft auf diesen neuen Gegner, der vor ihren Augen hüpfend erhalten wurde, und suchten den weichenden, tanzenden mit furchtbaren Stößen zu durchbohren. Gottlob! die List gelang. Der Taucher hatte sich in das Innere des Wrackes gerettet und gab das Zeichen, ihn heraufzuziehen. Schon schwebte sein Körper wenige Fuß tief unter der Oberfläche, da entdeckten ihn die beiden Ungeheuer und konnten nun von unten her ihre toddrohenden Waffen zur Anwendung bringen. Der Kautschuk riß, Blut überströmte die Glieder des Tauchers, und nur einem kräftigen Schlag mit dem Ruder aus Holms Hand verdankte er es, nicht bei lebendigem Leibe gespießt zu werden. Als er im Boot anlangte, hatte sich sein Helm zum Teil gelöst, so daß Wasser eingedrungen war, er blutete fürchterlich und mußte bewußtlos unter Deck geschafft werden. Auch der andere wurde heraufgezogen, um nicht dem gleichen Schicksal zu verfallen.
Der Taucher und die Schwertfische.
„Die Fische sahen das Bündel und stutzten, dann warfen sie sich mit vereinter Kraft auf diesen neuen Gegner ...“
Jetzt konnten unsere Freunde mit erleichtertem Herzen die Jagd wieder aufnehmen. Im Wasser schwammen, nachdem auch das Bündel entfernt worden, die großen Fische in toller Eile um einander herum, als wolle einer den andern für die Flucht der Beute verantwortlich machen. Zuerst stießen sie sich wie zufällig, spielend, dann aber immer heftiger, bis endlich die beiderseitigen Waffen zum vollständigen Gebrauch kamen und sich die Kämpfenden in einander so verflochten und festrannten, daß sie schlagend, drehend und tobend nur eine große, unlösliche Masse bildeten.