„Die haben wir!“ jubelte Holm, „die haben wir! schnell, Papa Witt, geben Sie uns einen Mann mit einer Harpune.“

Auch das geschah. Ein Matrose warf vom Schiff aus mit großer Geschicklichkeit den mörderischen Haken einem der Schwertfische in den Körper, und dann wurden Anstalten getroffen, um die an die Oberfläche gezogenen auf das Schiff zu bringen, wobei man natürlich den Booten sorgfältig aus dem Wege ging. Beide Tiere lebten noch; sie schlugen mit den Schwänzen und glotzten halb wütend, halb dumm die Menschen an, während von dem französischen Schiff aus, jetzt wo die gefährlichen Feinde besiegt waren, neue Taucher ihre unterbrochene Arbeit wieder aufnahmen. Man verabschiedete sich, des unverhofften Fanges froh; dem unverletzten Schwertfisch wurde behufs Ausstopfung das dicke Fell abgezogen und beide Schnäbel als wertvolle Beiträge für das Museum gereinigt und verwahrt. Noch lange besprachen die jungen Leute diesen glücklich verlaufenen Zwischenfall, und dabei geschah es, daß Franz zufällig sagte: „Unser letztes Abenteuer!“

Hans warf ein: „Für diesmal vielleicht, aber wie lange wirst du es zu Hause aushalten, nächstes Jahr strebst du vielleicht nach Amerika.“

Aber Franz schüttelte den Kopf. „Nun nicht wieder. Was mein Vater jetzt ist, der Ernährer und Versorger von Tausenden, das will ich dereinst auch werden, — wir beide, nicht wahr, Hans?“

Und der jüngere Bruder lächelte. „Ich wollte es immer, Franz.“

Das Schiff verfolgte seinen Lauf durch das blaue Mittelmeer, sah Kreta und Sizilien, und trat durch die Säulen des Herkules in den Atlantischen Ozean. Bald lag auch der böse biskayische Meerbusen hinter ihm. Glücklich durcheilte es den Kanal und kam in die Elbe, wo es von dem Lotsenkutter mit lautem Hurra begrüßt wurde. „Alles wohl zu Hause!“ — Der Mann konnte es behaupten, denn er hatte mit Herrn Gottfried gestern noch gesprochen. „Die „Hammonia“ wird von ganz Hamburg erwartet.“

Und weiter und weiter verfolgte der Eisenbau seine Bahn. Vorüber an der Küste von Holstein, an den Elbinseln, an Altona und dann langsam bis zum Hamburger Hafen. Wo wart ihr, drei lange lange Jahre, seit das Schiff von dieser Stelle hinauszog in die unermeßliche Weite? —

Niemand sprach, aber es war ihnen wie einst Robinson, dem wiederkehrenden Robinson, sie hätten den Boden der Heimat küssen mögen.

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Und dann standen im Kontor die Söhne dem Vater gegenüber, er erkannte sie kaum; der laute Jubel brach erst los nach langem, innigen Umarmen und Begrüßen. Für heute hatte alle Arbeit ein Ende; Mann für Mann, vom Kapitän bis zum Kajüttsjungen, mußten die Gefährten der Weltreise ihren Chef besuchen; alle erhielten eine bedeutende Extrazulage, und für die Hinterbliebenen der beiden Verunglückten sollte reichlich gesorgt werden; dann aber, nachdem der Mannschaft Freiheit gegeben, sich in der Stadt nach Belieben zu bewegen, nachdem die Weltumsegler ihrem Reeder ein donnerndes Hoch gebracht, — dann sah Herr Gottfried freudestrahlenden Blickes von einem seiner beiden Söhne zum anderen und sagte mit erstickter Stimme: „Jetzt kommt zur Mutter nach Dockenhuden!“