Und wieder kehrte die frühere Stille zurück. Holm schlief, Hans hörte seine tiefen Atemzüge, alles rings umher lockte zur Ruhe, zum bequemen, wachen Träumen und sich hinzugeben an das Schweigen der Nacht. Unmerklich sank des Knaben Kopf gegen die Baumrinde, unmerklich schlossen sich die Augen — er konnte ja hören, auch wenn er nicht sah! — und dann kam der sonderbare Zustand, wo wir zu wachen, zu handeln und uns zu bewegen glauben, während doch der Schlaf mit siegreicher Gewalt immer mehr von unserm Bewußtsein Besitz ergreift und es endlich ganz in Dunkel hüllt. Als die beiden erwachten, erst Hans und dann, durch dessen lauten Ausruf erschreckt, auch der junge Gelehrte, da schien die Sonne hell vom Himmel herab, es mußte wenigstens acht Uhr morgens sein; Bäume und Blüten erglänzten im frischen Schimmer, ein angenehm fächelnder Wind zog durch die Laubkronen und mit ungezählten Stimmen sangen im Gezweig die verschiedenen Vogelarten.
Holm und der Knabe sahen einander an. Wie nahe war vielleicht während dieser Nacht der Tod an ihnen vorübergegangen!
„Das laß uns als gutes Vorzeichen nehmen,“ rief Holm. „Wir haben geschlafen, obgleich Löwen und Hyänen uns umschlichen, wir haben Geist und Körper neu gekräftigt, ohne durch irgend eine Gefahr beunruhigt zu werden, also ist auch unsere Stunde noch nicht herangekommen. Gib acht, wir finden heute noch die anderen wieder!“
Seine gute Stimmung belebte auch den Knaben. „Was thun wir denn jetzt zunächst, Karl?“ fragte er.
„Hm, wir schießen uns einen Braten, pflücken Früchte, holen Wasser und gehen ein wenig auf die Jagd, kurz, wir spielen Robinson zu zweien. Sobald dann das erste Sternchen am Himmel erscheint, beginnt die Heimreise.“
„Und das denkst du durchführen zu können, Karl?“
„Ganz gewiß, Hänschen, nur bleibt es unbestimmt, ob wir auf diesem Wege ein Dorf der Bonny streifen werden oder nicht. Unser Schiff müssen wir erreichen.“
Während dieser Unterhaltung waren die beiden aus ihrem Versteck hervorgekommen und sahen nun von draußen die Verheerungen, welche in der letzten Nacht durch die Rhinozerosse angerichtet waren. Handgroße Holzsplitter lagen umher, Büsche und Gräser waren zerstampft, als sei eine Schlacht geliefert worden und hier und dort sogar ein junger Baum vollständig geknickt. Der Weg, den die riesigen Tiere eingeschlagen, zeigte sich als sehr leicht erkennbar.
Holm winkte seinem jungen Begleiter. „Jedenfalls gibt es hier herum einen Flußarm oder sonstiges Gewässer, in dem sich keine Krokodile befinden,“ sagte er. „Die Rhinozerosse bahnen sich herdenweise ihre Pfade durch das Unterholz immer nur, um eine Tränke zu erreichen; laß uns also der Spur nachgehen.“
„Aber wenn die schwarzen Teufel noch da wären?“