Da, wieder! es rauschte und krachte, das war nicht der Wind — —
Ein Mondstrahl brach aus den Wolken, Helldunkel überflutete das Thal. Schleichende Gestalten, katzenartig leise, glitten heran — — waren das Teufel? Flammend rot von Kopf bis zu Füßen die kräftigen Gestalten, die bräunlich schwarzen Gesichter voll Kampflust und Feuer, geschoren der Kopf bis auf den federdurchflochtenen Wirbelschopf, hohe Schilder aus Büffelfell in den Händen und einen langen hölzernen Wurfspieß mit Eisenspitze auf der Schulter. Einer nach dem anderen, Hunderte an der Zahl, so drangen sie vom Waldsaum her über den Fluß, sich rücksichtslos hineinwerfend, schwimmend wie ein roter glänzender Streif unheimlich in der fahlen Beleuchtung. — —
Und da, wo sich die Gelben angstvoll geschart, blieb alles still. Immer heller wurde der Himmel, immer deutlicher traten rings die Gegenstände aus der Finsternis heraus, — da wieherte eins der Pferde, und schläfrig dehnte sich Franz auf seinem Lager. „Wie kalt!“ schauderte er.
Der Führer erwachte und hob den Kopf. Ein durchdringender Ruf klang über das Thal dahin. „Die Amakossa! — Die Amakossa!“
Jetzt wachten alle. Instinktmäßig griffen sie zu den Gewehren, Fragen und Vermutungen schwirrten durcheinander, in weniger als einer Minute standen sämtliche Männer schußbereit. Am Himmel teilte sich die letzte Wolke, der Vollmond erglänzte über dem Waldsaum, — jener Fels, an dem die Buschmänner gelagert, war leer. Ohne Zweifel hatten alle im Schutz der Dunkelheit geräuschlos die Nähe der gefürchteten Feuerwaffen verlassen.
„Das sind Kaffern,“ flüsterte nach dem ersten Erschrecken der eingeborne Führer, „Amakossas von den wandernden Stämmen, welche durch Krieg und Raub ihr Dasein fristen. Sie ziehen von Norden nach Süden, überall Feinde, überall Zerstörer; die Urbewohner von Britisch-Kaffraria am Atlantischen Meer, damals geflohen und seit Menschenaltern heimatlos in den Wäldern hausend, während ihre Brüder mit der Kapkolonie Handel treiben und nicht mehr Wilde zu nennen sind. Sie haben die Schüsse gehört und wollen jetzt unsere Gewehre erbeuten.“
Das alles war hastig hervorgestoßen, halblaut, und indem der Sprecher unausgesetzt die Wilden beobachtete. Diese schienen Kriegsrat zu halten, gedeckt durch Bäume oder Felsen. Hinter ihren hohen Schilden verborgen, sprachen sie lebhaft miteinander, offenbar das Pferd verwünschend, welches vor der Zeit ihre Pläne verraten hatte. Sich hinauszuwagen in die Schußlinie dieser blitzenden Musketenläufe, das war nicht geraten; die Amakossa hatten viel zu häufig mit ihren Genossen von der Küste oder mit streifenden Zulus verkehrt, um nicht zu wissen, daß ihnen die Feuerwaffe den Weg versperrte, bevor noch die Hälfte desselben zurückgelegt war. Wo sich ein Kopf ohne Deckung zeigte, da konnte er im nächsten Augenblick von der Kugel durchbohrt sein.
Die Weißen befanden sich in keiner besseren Lage. Wenn ihre unbeschützten Pferde mittels der weittragenden Spieße getötet wurden, so standen sie den räuberischen Kaffern wehrlos gegenüber und mußten nebenbei auch fürchten, die ganze weite Strecke bis zur Küste, mehr als fünfzig deutsche Meilen, nicht zu Fuß zurücklegen zu können.
Der Führer dachte dasselbe. „Ich habe es übernommen, die Herren sicher wieder zur Kapstadt zurückzubringen,“ sagte er nach kurzem Besinnen, „das ist aber nur mit guten Pferden möglich. Ich gehe hinaus und bringe die Tiere hinter den Felsen.“
„Wir begleiten dich!“ riefen einstimmig die Weißen.