Der Quaqua schüttelte den Kopf. „Ich gehe allein,“ beharrte er. „Was liegt denn an dem armen, verachteten Gelben? Wer fragt nach ihm, wenn er nicht wiederkommt? Der Farbige trägt immer ein Brandmal auf der Stirn, — er sollte wild bleiben, wenn er glücklich leben will, ganz wild, die Weißen zählen ihn ja doch niemals zu ihresgleichen. Fort da, junger Herr, ich will keine Begleitung haben.“
Es war Hans, der sich dem Hottentotten zugesellte. „O Karl,“ sagte vorwurfsvoll der stille, wenig lebhafte Knabe, „kannst du das zugeben?“
Holm und Franz gingen ohne weitere Worte dem Führer nach und deckten mit ihren Gewehren seinen Körper, als er unter den Pferden hindurchkroch, um sie loszubinden.
Ein Hagel von Wurfspießen schwirrte ihnen entgegen, blindlings geschleudert, nachdem die Amakossa zu ihrem lebhaften Verdruß erkannten, daß sie im ersten Schreck versäumt hatten, sich der Tiere zu bemächtigen und dadurch die Gegner zu entwaffnen. Ein Kriegs- und Wutgeschrei erschallte aus hundert Kehlen, Wurfspieß nach Wurfspieß sauste durch die Luft, Holm hatte den Hut vom Kopf verloren, eine Spitze bohrte sich in Doktor Boltens Schulter, der eine Führer blutete aus drei leichten Wunden, und zwei Pferde waren getroffen, obwohl nicht besonders gefährlich. Dann aber befanden sich auch sämtliche Tiere in Sicherheit, die Weißen konnten aufatmen.
„Schießt nicht!“ ermahnte der alte Theologe, während er bemüht war, mit dem Taschentuch das hervorquellende Blut zu stillen. „Schießt nicht, Kinder. Wenn die Wilden einen Angriff wagen, so müssen wir uns natürlich verteidigen, bis dahin aber verhaltet euch ruhig, als sei nichts geschehen.“
„Die Amakossa sind Räuber, diebische Hyänen!“ rief erbittert der verwundete Führer. „Man sollte sie niederschießen wie tolle Hunde.“
Der alte Mann sah mit festem Blick dem Aufgeregten ins Auge. „Ich verbiete dir solche Reden und jeden Gedanken an Ausführung solcher Absichten, mein Sohn!“ sagte er gelassen.
Der Farbige senkte die Wimper. Er wagte es nicht, die Ehrfurcht gegen das ruhig überlegene Wesen des alten Herrn aus den Augen zu setzen, heimlich aber ballte er die Faust, und selbst Franz konnte sich nicht enthalten zu antworten, daß doch eine scharfe Lehre den Buschkleppern sehr heilsam sein müsse. „So gut wie die abgesandten Wurfspieße nur leichte Wunden verursachten, hätten sie auch den Tod bringen können,“ fügte er hinzu.
„Und du wolltest der Vorsehung den Dank für eine beinahe wunderbare Errettung durch den Mord an einem unwissenden Wilden abtragen, mein Junge?“
Franz errötete. „Wir sind noch nicht gerettet, Herr Doktor,“ antwortete er. „Die Amakossa scheinen uns in aller Form belagern zu wollen.“