„So werden wir uns in aller Form verteidigen, lieber Franz. Sei dessen sicher.“

Die Kaffern hatten während dieser kurzen Unterredung der Weißen ihrerseits den Kriegsrat geschlossen. Einer nach dem anderen verschwanden sie aus dem Thal, so daß es aussah, als sei der Platz von ihnen geräumt, thatsächlich aber war gerade durch diesen Schachzug bewiesen, daß sie zum Verderben der Weißen planmäßig handelten. Der eingeborne Führer erkannte das sofort. „Wir können uns jetzt wieder hinlegen,“ sagte er, „ein Angriff wird nicht erfolgen, — man erreicht mit List, was vielleicht durch Gewalt unmöglich wäre.“

„Aber wie denn?“ fragte Holm.

„Indem man uns umzingelt und vom Wasser abschneidet. Wer sich auf der freien Fläche sehen läßt, der ist ein Kind des Todes.“

Holm fühlte, wie es ihm kalt über den Rücken herablief, und auch die anderen blieben lange Zeit stumm. Ihrer sieben gegen mehrere Hundert, da war ein offener Kampf ganz unmöglich, — so im Winkel versteckt zwischen Felsen langsam mit der Waffe in der Hand aus Mangel an Nahrungsmitteln zu Grunde zu gehen, das schien aber ein entsetzliches Schicksal. „Ob sich denn nicht durch die Schnelligkeit der Pferde entkommen ließe?“ fragte nach langer drückender Pause der ältere Knabe.

„Auf freier Fläche, ja; hier im waldigen, von Bäumen durchzogenen Gebiet unter keiner Bedingung. Die ersten fünfhundert bis tausend Schritt um diese Stelle herum können nur langsam, nicht einmal im Trab zurückgelegt werden.“

„So sind wir also ganz verloren!“ rief Franz.

„Noch nicht,“ versetzte der Hottentotte. „Ehe wir hier verhungern und verdursten, entschließen wir uns zur Fußwanderung bis nach der Küste. Die Sache geht langsam, aber unmöglich ist sie nicht.“

„Jedenfalls laßt uns daher Pulver und Blei aus den Satteltaschen nehmen, damit wir zur Flucht gerüstet sind,“ riet der Doktor. „Wenn nur der Mond nicht so hell schiene!“

„In dieser Nacht können wir keinen derartigen Versuch wagen,“ entschied der Führer. „Es bedarf dazu nicht allein völliger Dunkelheit, sondern auch der vorherigen genauen Ortskenntnis. Wir müssen wissen, ob und in welcher Stärke die Umgegend besetzt ist.“