Franz umklammerte aufschluchzend mit beiden Armen seinen geliebten Lehrer. „Sie sterben nicht, Herr Doktor, Sie sterben nicht!“ rief er, „ich bleibe bei Ihnen und verteidige Sie mit meinem Leben, ich gebe Ihnen Zeit, den Ungeheuern zu entkommen.“
„Das versprechen auch wir,“ riefen in einem Atem die beiden anderen. „Sie sollen in unserer Mitte bleiben, lieber Herr Doktor, wir schützen Sie so lange als nur möglich.“
Der alte Geistliche legte im Dunkel der Hütte seine beiden Hände auf die Köpfe der jungen Leute. „Seid gesegnet, meine Kinder,“ sagte er mit erstickter Stimme. „Es wird geschehen nach Gottes Ratschluß, der Herr wird alles wohl machen.“
Draußen an der Bambuswand regte sich’s. Wie leises Flüstern tönten Menschenstimmen, und vernehmlich klang es durch die Spalten „Hummel! — Hummel!“[1]
[1] Schlagwort der Hamburgischen Schifferkreise.
Die vier Unglücksgefährten glaubten zu träumen. Was war das? — Hatte die Aufregung ihre Nerven so überreizt, daß sie die Stimmen ihrer weit entfernten Freunde wie aus unmittelbarer Nähe zu hören vermeinten?
Franz schauderte. „Klang das nicht, als hätte das der alte Witt gesagt?“ flüsterte er. „Hummel! — Hummel! — das war ein Abschiedsgruß aus der Heimat.“
Holm stand auf und trat an die Wand. Draußen sah man nichts, es war unmöglich, durch die engen Spalten hindurch irgend etwas zu erkennen. „Wer da?“ rief er leise, mehr auf das gute Glück hin, als wirklich im Glauben, irgend jemand anzureden. „Wer da?“
„Gut Freund, Herr Holm! — Nur stille, hören Sie, daß die Schwerenöter nichts merken. Sie sind doch alle wohlauf?“
Im Dorf krähte mit heller Stimme ein Hahn. War es der weiße? — Sein Schmettern klang wie „Wohlauf! — Wohlauf!“