»Oh!« rief Lily unwillkürlich bedauernd aus, und das Kind krabbelte sich empor und steuerte ohne jede Geniertheit auf die bleiche Mädchengestalt zu.

»Er ist weggelaufen,« erzählte sie ohne jede Einleitung und wie zur Verhinderung von etwaigen Beileidsäußerungen, die sie für beschämend halten mochte, und Lily lächelte sie an und fragte, wer »weggelaufen« sei.

»Edgar.«

Lily beugte sich zu dem Kinde nieder. »Ist Edgar dein Bruder?« fragte sie zutraulich und das Kleine nickte lebhaft.

»Er ist kleiner wie ich,« plauderte es, »und er fürchtet sich vor Schneeballen. Er rennt immer!«

»Allein?« fragte Lily.

»Nein, Tante Marie ist heute mit, Papa ist verreist. Kennst du Papa?«

Lily schüttelte den Kopf. »Ich kenne ihn nicht,« sagte sie, »aber er ist gewiß der beste und schönste Mann auf der Welt – nicht?«

Das Kind wurde plötzlich ernst, die blauen Augen sahen prüfend auf. »Du kennst ihn ja doch,« sagte es langsam und mit Betonung, »woher kannst du denn sonst wissen, daß er der beste und schönste ist?«

»Ich kenne ihn nicht, aber ich weiß das doch, ebenso wie ich weiß, daß Mama die süßeste und schönste – –«