Der Mann zog das plaudernde Kind näher zu sich heran. »Hat sie noch einen Namen, deine L–i–l–y?«

»Lily Elsworth heißt sie, und – oh Papa, sie ist hübsch und süß und gut, fast so gut wie du, und ich habe sie lieb und – oh Papa, du drückst mich so fest, das thut weh!«

Herr Harvey hatte die kleine Plaudertasche eng an sich gezogen und heftig geküßt. Jetzt erhob er sich hastig. »Spiele weiter, Jeannette,« sagte er sanft, »ich muß jetzt zur Stadt.«

Lange ging er in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Seine Gedanken ließen von dem gegebenen Thema nicht nach. Der Name, den das Kind gesprochen, mußte einen eigenen Reiz haben, da er ihn leise vor sich hin sprach: »Lily – Lily!« Er lächelte und das Lächeln verklärte gleichsam sein Antlitz und machte es jung. Doch plötzlich zuckte er auf, der Klang seiner Stimme schien ihn zu erschrecken. Der alte Ernst kam über ihn und mit energischer Geste warf er das Haupt zurück: »Thorheit, Thorheit, ich werde es überwinden!«

Er hatte es fest gewollt und der Abend brachte zu dem Vorsatz noch eine Kraft, genannt Selbstvorwurf.

Edgar war erkrankt. Marie Müller meldete es mit ängstlichem Blicke. »Ich kam von Frau Warren,« sagte sie, »es ist dort alles gut. Frau Warren reist noch heute nach Chicago zu Tom. Ich kam ziemlich eilig nach Hause und fand Edgar im Fieber. Er hat rote Flecken auf der Haut. Ich hielt es für gut, Jeannette zu entfernen und Fräulein Elsworth bat, daß ich sie ihr mitgeben möchte; es ist Ihnen hoffentlich recht so?«

»Wo liegt das Kind?«

Er stand an dem Bettchen, darin das fiebernde dunkellockige Kindchen lag. Was für selbstquälerische Gedanken marterten des Mannes Hirn, als er während der langen Nacht am Bette des kleinen Knaben saß und dessen Fieberphantasien hörte!

»Lauter Engel – mit goldenen Flügeln – eine gelbe Krone – oh sieh – sieh – er kommt – singe mehr – Mama – es ist Mama – –«

Der starke Mann erbebte, als er die heißen Hände des Kindes in die seinen faßte.