»Schlechte Jungens mag man aber nicht!« Er sah mich bei dieser Erklärung ganz ernst an, wie um seine Lache von vorhin zu entschuldigen.
»Weshalb denn nicht?« entgegnete ich, »sie sind deshalb doch unsere Kinder!«
Charley Gregor stand ganz still. Er hatte sich etwas abgewandt, so daß ich nicht erkennen konnte, was in seinem Antlitz vorging. Als er es nach längerem Schweigen zu mir wandte, lag darauf ein Ausdruck kindlicher dringlicher Wißbegierde.
»Und wenn er ganz schlecht gewesen wäre, hätten Sie ihn doch lieb gehabt?«
»Gewiß!«
Charley wurde dringlicher. Seine Augen glänzten eigen.
»Und wenn er auf dem Felde Scheiterhaufen gemacht hätte, und Schule geschwänzt, und Milchkannen gestohlen?«
»Auch dann!« Charley zog wieder den schiefen Mund und lachte. Ich blickte mit Wehmut auf den Knaben, der so unbewußt in seinen zweifelnden Fragen eine bittere Herzensklage aussprach. Eine Aufwallung von Mitleid überkam mich. Ich trat ihm näher.
»Gehst du nicht zur Schule, Charley?«
»Manchmal!«