»Charley! du?«

»Kommen Sie mal dicht 'ran ans Gitter,« sprach er in seiner kategorischen Art, und ich trat dicht auf ihn zu.

»Ich wollte Ihnen nur sagen, daß das alles eine Lüge war, was Sie mir sagten, und daß es doch einerlei ist, was ich thue. Ich werde Ihnen auch sagen, wieso. Der Lehrer war wieder da und hat geklatscht, und wie er fort war, da ist mir eingefallen, was Sie gesagt haben von schlechten Kindern, die doch geliebt werden, und da bin ich zu meinem Vater 'reingegangen, und habe ihm sagen wollen, daß ich bei Ihnen war und – und – na – so allerhand – wollt' ich ihm sagen – – –«

»Nun, und?«

»Da hat er gesprochen und hat gesagt, er wollte nichts wissen. ›Bist ein Vagabond‹, sagte er – ›ob du auf dem Galgen endest oder im Zuchthaus, das ist mir gleichgültig! Meinetwegen kannst du stehlen oder dich ersäufen, mir ist's gleich, wenn ich dich nur nicht mehr sehen muß,‹ sagte er. – So, und nun bin ich nur gekommen, um Ihnen zu sagen, daß es alles Lüge war, Missus

Es war ein seltsam weißes entschlossenes Gesicht, das er mir, vom Mondlicht umflossen, zukehrte, bevor er sich wandte und rasch davonschritt.

Eine mir unklare Angst trieb mich, ihn anzurufen.

»Charley! Charley Gregor!« Ich erhielt keine Antwort. Seine Schritte klangen nur undeutlich zu mir zurück, als ich, ein Tuch über den Kopf geschlungen, von einer unbestimmten Angst gejagt, die Straße entlang eilte.

Warum sagte ich mir nicht einmal: Thörin, was rennst du durch die Nacht? Was kümmert's dich, was drunten am Fluß geschieht? In dem großen dunklen Hause liegt alles im Schlummer, was also treibt dich atemlos dem Ufer entlang, dem kleinen verwahrlosten Knaben nach, der – ich allein wußte es, unter der rauhen Fläche eine wunde, liebebedürftige Seele barg. Schnell! Schnell! Die kleinen Füße laufen behend. Das Ufer ist leer. Kein Mensch, der ihn aufhält!

»Charley! Charley!« Irrte ich, oder wandte sich das Kinderantlitz mit den tiefen Augen noch ein letztesmal zu mir? Ein dumpfer Aufschlag – ein Schrei! – – –