Wo kamen die Menschen her, die sich ans Ufer drängten? Waren es meine Rufe, die sie beschieden? Und der sich da durchdrängte, barhäuptig, bleich, hohläugig – der sich aufschluchzend über die nasse Leiche beugte, die in meinem Schoße lag, war das der Vater, dessen starres Herz den Knaben von sich gestoßen, dessen Worte ihn vertrieben?

»Charley, o Charley!« Der Ruf hallte weithin durch die Nacht, und der ihn ausstieß, hob ein greises, gramgefurchtes Antlitz zu mir auf.

»Ich habe ihn nicht verstanden, Madame!«

Das war's! Alle Bitterkeit schwand aus meinem Herzen. Auf das bleiche Knabenantlitz niederschauend, wiederholte ich leise die Worte:

»Er hat dich nicht verstanden – Charley!«

Die Geschichte einer Wäscherin.

Sie bewohnte ein niederes, aus Brettern erbautes Häuschen in einem der entlegensten Stadtteile, dort wo der große Teich gelegen war, der im Winter zu starrem spiegelglattem Eise zufror und die ganze waghalsige Stadtjugend auf seine glänzenden Flächen lockte.

Ihr Häuschen stand dicht an der Eisbahn, und der Wind heulte oft um die scharfe Ecke, in welcher der einstöckige kleine Bretterbau gelegen war, und rüttelte an den grauen Fensterläden, daß sie geräuschvoll aneinander schlugen und der grauen Außenseite etwas Unheimliches verliehen.

»Ein unfreundlicher Aufenthalt,« dachten die Fremden, welche von ferne das einsame, von den anderen Bauten durch eine kahle Wiese getrennt liegende Häuschen sahen, aber die Schuljugend dachte anders darüber. Die rosige kleine Schar, die auf dem Eise lärmend und jubelnd übereinander purzelte, sich Arme und Beine wund stieß und unter abwechselndem Lachen und Wehgeschrei mit den schmerzenden Gliedmaßen in das Innere des niederen Häuschens flüchtete, um sich Trost zu holen! Diese kleine Schar hielt die zwei spärlich möblierten engen Stübchen mit den weißen Gardinen und dem helllodernden Kaminfeuer für das reizvollste Plätzchen der ganzen Erde. Der feuchte Dunst vom Seifenschaum, der aus dem großen Waschzuber dicht am Fenster emporzusteigen pflegte, hüllte tagtäglich mehr denn ein Dutzend herein- und heraushuschender Kinderköpfchen in seine feuchte Wolken ein, und die leichten Schaumflöckchen, die sich in kleinen flickernden Bläschen auf die zerzausten Lockenköpfchen niedersetzten, zogen mit eigenartigem Zauber die Kleinen stets von neuem an. Oder war es doch nicht der flockige schneeige Seifenschaum, der sie lockte? War es vielleicht jene alte, etwas heisere, ganz unmelodische, aber überaus drollige tiefe Stimme, die von der Ecke her über das plätschernde Seifenwasser fort ihr ernst scherzendes:

»Sieh! sieh! sieh! wollt ihr wohl weitergehen!« ertönen ließ, was solche besondere Anziehungskraft übte?