Wie der Wind heulte, wie die Flammen im Kamin hochschlugen, da die Eingangsthüre nach mehrfachem herrischen Klopfen aufgestoßen wurde. Ein Mann bei Mutter Krüger! Ein großer schneebedeckter Mann, mit vorgebeugtem breiten Nacken und einem düsteren, kranken Blick.
»Christine!« Der Ausruf war fast wie ein Schreckensschrei und die aufrechtstehende reglose Gestalt nickte mit bebender Lippe zweimal und wiederholte mit leiser Stimme:
»Ja – Christine!« Mochte es der schmerzliche Tonfall sein, der dem Manne wie eine Ermutigung klang – that es der Blick, der aus dem ergebenen alten Antlitz der Mutter Krüger auf ihn fiel? – Er machte einige Schritte zu ihr hin, blieb jedoch vor der ablehnend erhobenen Rechten stehen.
»Ich habe dich gesucht,« sagte er zögernd, mit gesenktem Auge.
»Zum zweitenmale,« unterbrach sie ihn leise und hart.
»Ich – ich war sehr krank, Christine – ich habe böses erlebt – ich – bin allein!«
Der Kopf der Alten hob sich rasch.
»Und – sie?«
Er lachte bitter auf. »Sie,« erwiderte er höhnisch, »sie wurde meiner überdrüssig!«
Es lag in der heftigen gereizten Sprechweise des Mannes etwas vom gekränkten eigensinnigen Kinde, und seine Haltung der Frau gegenüber hatte mehr vom leidklagenden Sohne zur Mutter, als vom reuigen Gatten zur Gattin. Vielleicht fühlte sie das nicht zum erstenmal heraus, vielleicht klangen darum ihre Worte herber, als sie es wußte.