»Und weiter – was suchst du hier?«
»Was ich suche? Christine, ich war lange krank – ich bin allein –«
»Halt!«
Er wich vor der gebietenden Haltung scheu zurück. Mutter Krüger stand noch immer vor der angelegten Thüre des Nebenzimmers – das ihre Kleinen barg. Jetzt, da sie sprach, zog sie die Thüre ins Schloß und trat dicht vor den Mann hin.
»Sprich nicht zu Ende,« gebot sie kurz, »es wäre vergeblich. Unsere Wege gehen auseinander. Du hast gewählt zwischen uns – du ließest mich gehen. Jetzt bin ich alt und hier drinnen ist's ruhig geworden. Einmal glaubte ich vom Leben etwas erwarten zu dürfen. – Das ist vorbei. Du bist jung – deine Wunden werden vernarben. Unsere Wege gehen auseinander, das ist mein letztes Wort. Ich zürne dir nicht. Gott sei mit dir!« –
Der Wind, der die Hausthüre krachend zuwarf, fegte den nassen Schnee hinter der gebeugten Gestalt des Mannes her, der vor dem Hause stehend einen letzten Blick hinaufwarf auf das matt erleuchtete Fenster des niederen Häuschens. Im Innern des Stübchens lehnte Mutter Krüger mit umflorten Augen an den Rahmen der Thüre – durch die die kleinen Gäste mit scheuem »Gutenachtgruß« eintraten.
»Geht, Kinder, geht! Laßt mich allein!« Langsam entfernten sie sich und als die Thüre ins Schloß gefallen war, ertönte neben der alten Frau eine kleine verschleierte Stimme:
»Mutter Krüger!«
Sie zuckte zusammen.
»Toni? Du?«