»Sie vertrauen wohl auf den Schiffsarzt?« lächelte er.

»O nein, auf den am wenigsten. Gerade dieses Schiff soll einen abscheulichen Arzt haben. Mir wurde erzählt, er sei ein unfreundlicher, arroganter Mensch, der sich ungern bemühen lasse. Meinethalben mag er's sein, ich werde ihn gewiß nicht belästigen. Kennen Sie ihn?«

»Ja.«

»Ist er so, wie man ihn schildert?«

»Ich weiß Ihnen darauf wirklich keine rechte Antwort. Wenn ich Ihnen sagte, ›ich kenne ihn, er ist ein entsetzlicher Mensch,‹ so könnten Sie glauben, das Urteil entspringe gehässiger Zunge, und sagte ich Ihnen wiederum ›er ist ein durchaus leidlicher Mensch,‹ würden Sie meine Ansicht für maßgebend erachten? Ich glaube nicht.«

»O doch,« rief sie lebhaft, »ich habe zu Ihnen so viel Vertrauen, daß –« sein Auge traf das ihre. Stockend, errötend senkte sie die Blicke und schwieg.

Er legte seine Hand auf die des Mädchens und neigte sich zu ihr, als er leise sprach: »Vertrauen haben ist kein Unrecht, mein kleines Fräulein. Sie dürfen ruhig weiter sprechen.«

»O, ich wollte nur sagen, daß ich Ihnen alles glauben würde, Sie sehen aus, als könnten Sie nicht anders als gerecht sein, aber woher kennen Sie den Arzt? Reisten Sie schon einmal auf diesem Schiff?«

»Mehr wie einmal,« entgegnete er, »und der Arzt mit mir! Versprechen Sie mir,« rief er plötzlich, »im Falle Sie seiner bedürfen, so zögern Sie nicht, ihn zu belästigen!« Seine Stimme hatte wieder den eigentümlichen Wohllaut. Ohne sich darüber Rechenschaft geben zu können, fühlte sie sich in einem Bann, wenn er sprach. Seltsam, ganz seltsam ward ihr zu Mute. Etwas wie Beklemmung, Bangigkeit bemächtigte sich ihrer – sie wollte sprechen und dennoch schwieg sie.

Wieder diese verlockende Stimme. »Nicht wahr, Sie werden nicht zögern, wenn Ihnen etwas ist, den Arzt zu rufen? Sagen Sie nein.«