»Aber du mußt doch wenigsten gewaschen –«
Das Kind hat sich erhoben. »Ich will nicht!«
Die Alte kennt die Haltung und den Blick. Wenn Norine mit so steifem Körper vor ihr steht – wenn die dunklen Kinderaugen so starr in die ihren sehen – dann ist der Kleinen durch nichts beizukommen. Sie wagt es dennoch mit ganz leiser Mahnung:
»Norine – dein Vater hat gewünscht, daß du –«
»Ich sage dir, ich will nicht!« In den tiefdunkeln Augen blitzt es auf. Die kleinen Hände sind geballt. Doris steht einen Augenblick noch zaudernd vor ihr – dann hört sie nahendes Geroll von Rädern und geht kopfschüttelnd zur Hausthüre hinauf, um dort mit Lisbeth ihre neue Herrschaft zu empfangen.
Norine ist leise auf ihren Platz zurückgekehrt. In ihrem Arm hält sie zwei ihrer weißen Lieblinge – zu ihren Füßen schnurrt die alte Mietz und blinzelt fast verständnisinnig zu der kleinen Herrin auf.
Das Kind ist ernst geworden. Mit vorgebeugtem Nacken horcht es auf das Geräusch, das vom vorderen Hausflur zu ihr dringt. Zuerst Schleifen von Koffern – dann das Öffnen der Salonthüre, die der Thätigkeit ungewohnt, in ihren Angeln knarrt – darauf der Lisbeth piepsende Stimme, die zum Eintreten lud und – – Norine drückte in einer Aufwallung von heftiger Zärtlichkeit ihre Katzen an sich.
»Hört Ihr's? Hörst du's, Mietz, was sie für'n Lärm machen um eine wildfremde Frau, die 'ne Stiefmutter ist und die uns alle hassen wird, und die sofort versuchen wird, uns zu trennen? Paul Dierkes weiß das; er hat's gesagt, daß alle Stiefmütter Katzen hassen und daß sie Euch heimlich fortbringen wird, aber – ich werde aufpassen – ich leid's nicht, mein Mietz, ich leid's nicht!«
Das Kind hatte diese Worte mit energischem Zurückwerfen seines verwahrlosten Köpfchens gesprochen und dann hatte es wieder hinaufgehorcht auf die Stimme »da oben.«
»Das Kind?« hörte sie den Vater fragen, und gleich darauf mit atemloser Spannung die Antwort der alten Doris. Was sagte sie da? »Nicht finden können!?« Norine versetzte ihrer Katze einen verwunderten kleinen Stoß.