»O, Ihr Katzen, hört Ihr's, wie sie lügt, die gute Alte? hört Ihr's? Da, nun geht die Thüre zu. Jetzt sind sie drin. Nein – doch nicht. Da sprechen sie ja noch. Das ist des Vaters Stimme!« Das Kind muß seinen Kopf dicht an die Öffnung der Thüre lehnen, um zu verstehen.

»Hat sich versteckt – sucht doch im Hofe,« spricht der Vater und eine fremde Frauenstimme unterbricht ihn:

»O bitte – laßt sie, ich möchte sie selbst suchen!« Das mußte die neue Stiefmutter sein. Gewiß rückte sie sich ihre blaue Brille zurecht und legte die altmodische seidene Mantille ab. Na – sie sollte nur suchen kommen – das konnte sie ja, aber zum Glück hatte der Stall so verschiedene kleine dunkle Ecken, wo Norine sich mit ihren Lieblingen oft verkrochen und dahin würde Madame mit der Brille und der spitzen Nase wohl – »horch Mietze – ich höre was! Es schleicht ganz sachte an der Holzmauer entlang. Wenn das die Stiefmutter – – Mietze, rasch!«

Kind und Katzen turnten mit unglaublicher Behendigkeit über die umhergestreuten Holzblöcke hinweg, als sich vom Hofzaun her eine Stimme hören ließ und die Gestalt eines Knaben von der Mauer herab sichtbar wurde.

»Norine!« Die Gerufene blieb zögernd stehen.

»Paul Dierkes – bist du's?«

»Ja!«

»Komm' 'rüber!« Es hätte der kategorischen Aufforderung nicht bedurft. Der sehr blonde, sehr gelenke – verschmitzt blinzelnde Bäckerssproß stand schon an ihrer Seite.

»Ist sie da?« Seine Kopfbewegung nach der Richtung des Hauses hin war nicht mißzudeuten. Er meinte die Stiefmutter. Norine nickte.

»Na – wie war's?«