Norine stellte sich plötzlich schützend davor.
»Siehst Du?« flüsterte der Knabe unter vielsagendem Augenblinzeln.
War der jungen Frau die Pantomime entgangen, oder wollte sie nichts gesehen haben? Über ihr Antlitz flog ein leichtes Rot, das sofort wieder verschwand.
»Ich möchte mir Deine Lieblinge gern genauer ansehen,« wandte sie sich an Norine, ohne den Knaben zu beachten, »aber« – hier lächelte sie ein wenig – »ich fürchte mich vor Katzen!«
»Ha – ha!« Es war eine hämische Lache, die der Knabe aufschlug, und seine Dreistigkeit gab dem jüngeren Kinde die Haltung wieder. Sie machte Miene, in sein geringschätziges Lachen einzustimmen, sah aber doch, wie von einem ihr innewohnenden Etwas gedrängt, mit großen Augen zu der jungen Frau auf.
»Magst Du gern Vögel?« fragte diese jetzt, und ohne auf eine Erwiderung zu warten, fügte sie ihrem Satz rasch noch einen bei: »Ich habe noch einen Vogel – einen goldgelben. Wenn Du ihn sehen möchtest – wenn Ihr ihn sehen möchtet« – verbesserte sie sich zögernd, »so könnt Ihr nur mit mir hinaufkommen!«
Nachdem sie gesprochen, wandte sie sich und stieg ohne Weiteres die kleine Treppe hinauf, die vom Hinterhof in das Haus führte.
Die beiden Kinder sahen sich einen Augenblick an.
»Wenn Du gehen willst« – sagte der Junge.
»Na – willst Du denn?«