Es war Abend geworden.

Aus dem Schatten der Finsternis löste sich die schlanke Gestalt der jungen Frau ab. »Der Bösewicht!« sagte sie für sich, einen letzten Blick auf den Stall hinabwerfend, in dessen Inneres der Knabe verschwunden war, und dann stand sie lange regungslos da und starrte in den dunkel werdenden Hof hinaus, bis Norine auf wiederholtes Rufen der alten Doris ins Haus trat; dann eilte sie rasch in den Korridor hinaus dem Kinde entgegen.

»Du gehst schlafen, Norine?« Das Kind sah finster auf.

»Ja,« sagte es kurz im Weitergehen.

»Willst du mir nicht gute Nacht sagen?« Ohne den Blick zu erheben, machte das Kind vor ihrer Zimmerthüre halt. Die Antwort kam hart und frostig.

»Nein!«

»Norine, du« – eine Sekunde lang schoß es glühendrot über Stirn und Wange der Frau, dann sprach sie langsam und sanft weiter: »ich habe dein Gespräch mit Paul mitangehört. Du glaubst doch nicht im Ernst, daß ich deine Katzen –«

Ein heftiges Zuschlagen der Zimmerthüre Norines schnitt der Sprecherin das Wort ab. Norine war drin. Sie stand mit zusammengepreßten Lippen auf der inneren Schwelle und horchte auf die davongehenden Schritte der Stiefmutter.

Sie blieb einen Augenblick mit sich im Zweifel, ob das Triumphgefühl, das sie empfand, wohl ganz berechtigt war.

Liebe.