Helles Rot stieg in des Mädchens Wangen. Sie unterbrach ihn rasch. »Bitte, mein Herr, sprechen Sie nicht weiter. Ich würde Sie ja doch nie angeredet haben, wenn ich Sie erkannt hätte, da ich zur Genüge erfahren habe, wie unangenehm Ihnen Wohlthätigkeiten sind!«
»Die sogenannten – ja!«
Das Mädchen blickte auf. Ihre Lippe kräuselte sich verächtlich.
»Das verstehe ich nicht. Übrigens ist es ja gleich, welche Ausrede Sie wählen!«
Des Mannes Stirn zog sich in Falten. Es schien, als ob er fast gegen seinen Willen die weiteren Worte sprach.
»Ausreden, meine verehrte junge Dame, kommen bei mir nicht vor. Eine ›sogenannte‹ Mildthätigkeit ist es, wenn sie zum Hauptzweck hat, jungen Mädchen ein Deckmantel zu sein für unwürdiges Amüsement!«
»Mein Herr!« Lily Elsworth richtete sich hoch auf. Ihre Augen blitzten. Einen Augenblick schien es, als wollten sie Feuer sprühen, dann aber zuckten die Lippen stolz und das Mädchen fragte, sich gewaltsam beherrschend:
»Ist es ein ›Amüsement‹, den ganzen Abend in einem engen Zelt zu stehen und Cigarren zu verkaufen?«
»Cigarren verkaufen! Das thaten Damen?«
»Das that ich, mein Herr, und ich thäte um einer guten Sache zu dienen noch einiges andere!« Sie stand ihm gerade gegenüber. Sie blickte ihm gerade in die Augen, Trotz und Herausforderung in ihrer ganzen Haltung. Wollte er nicht antworten oder ärgerte ihn ihre Rede so sehr? Das Mädchen blieb einen Augenblick stumm, dann sprach sie, und ihre Stimme hatte den alten spöttischen Ton: »Ich muß mich wundern, daß ein Herr, dem Mildthätigkeiten so zuwider sind, das Fest mit seiner Gegenwart beehrt!«