Wie muß man es anfangen, um verschont zu bleiben? Ein Beispiel soll uns darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich starkem Tempo gegangen. Es ist draußen „hübsch frisch“, wie der Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen, er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich getan, ich wäre die letzten 5–20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und dann noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in einiger Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme etwas abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der Luft wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch einige Zeit auf- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.
Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit, den kleinen Knödel im Halse, wohlan, gehe nochmals ins Freie und mache dir eine leichte Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles Überflüssige im Halse auflösen und entfernen.
Die Heiserkeit ist nichts anderes als die Ausdehnung des Katarrhs in den Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden, keinen Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin, die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen![42]
Folgende Bemerkung noch dürfte manchem einen Dienst erweisen. Es gibt Leute, die Anlage haben, viel zu hüsteln. Jede Kleinigkeit, z. B. ein Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es tut nicht wohl und tut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne den geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den Eltern geerbt und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar keine Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von tiefer gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten: Wer lang hustet, lebt lang. Andere Erbteile dagegen sind nicht so unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung wert. Dahin gehören z. B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft herrschende Abzehrung, Schwindsucht usw.
Da gilt der Grundsatz: Principiis obsta! Gleich den ersten Anfängen entschieden und wirksam entgegentreten mit aller Umsicht und Vorsicht! Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht früh. Ein kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer Familie um Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die stärkste Tanne, den kräftigsten Körper ruiniert und stürzt, ins Grab bringt. Vorsicht also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte Leiden ohne weitere schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.
Knieschwulst.
Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb der Knöcheln bis über das Knie hinauf. Die Geschwulst war zeitweilig sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes Jahr ärztliche Mittel, unter anderem einen Gypsverband zwölf Wochen lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte sich so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte; besonders schmerzte das Kniegelenk. Weil alles nichts geholfen, wurden versuchsweise angeschwellte Heublumen aufgebunden, und zwar von oberhalb der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen ließen bald nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur Hälfte verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.
Knochengeschwüre.
Oft treten rings um die Knochen harte Geschwülste auf, besonders gerne unten am Kinnbacken, an den Knöcheln, am Knie, auch an anderen Knochenstellen. Man könnte fast meinen, der Knochen sei selbst gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der meistens fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft 14 Tage bis drei Wochen). In der Tat erheischen solche Geschwülste stets große Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei Vernachlässigung tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe nicht mehr leicht, oftmals unmöglich.
Die kräftigsten und schnellsten Heilmittel bestehen in einem zwei-, drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen an der geschwollenen Stelle. Am erprobtesten gelten mir Umschläge mit Absud von Heublumen, von Haberstroh, ferner Umschläge mit abgekochtem foenum graecum und mit Topfenkäs.